Brüder Grimmlauf 5 Etappen über 81,3 km

 

Über dieses Wochenende kann man ein Buch schreiben – Höhen und Tiefen, kaputte Füße und freigesetzte Endorphine. Der Brüder Grimmlauf ist einfach eine wahnsinnige Herausforderung. Wer hier bei den ersten Etappen zu viele Körner lässt bekommt die Quittung am Sonntag. Logistisch muss für diesem Lauf alles geplant sein – Stress hat man genug zwischen den Etappen, man muss ihn nur einigermaßen eingrenzen. So war alles vorbereitet für das Übernachten in den Turnhallen, extra fertiggestellte Tüten mit den jeweiligen Laufsachen für die einzelnen Etappen und auch Schlafsäcke, Decken und Getränke. Auch müssen Salztabletten, Franz-Brannt-Wein und die eine oder andere Salbe immer griffbereit sein. Auch die benutzte Laufwäsche muss irgendwo gesammelt platziert sein. Das Navi wird im Vorfeld schon auf alle 5 Etappenorte eingestellt, da der Wagen nach jedem Wettkampf nachgeholt werden kann.

Nun war zwar alles super geplant – aber leider nicht die Rippenprellung, die ich mir in der vergangenen Woche zuzog. Beim langsamem Training schmerzte es beim Ein- und Aus-Atmen heftig.

Allgemein fiel das Atmen sehr schwer. Eigentlich wollte ich erneut unter die ersten 50 in der Gesamtwertung kommen, dieses Ziel zerschlug ich somit. Schauen einfach was geht, wenn`s nicht klappt laufe ich mit Angelika zusammen. Die Temperaturen versprachen eine Hitzeschlacht.

In Hanau angekommen traf man zunächst Stephan S., den man noch aus dem Vorjahr kannte und sprach einige Worte. Auch er hatte mit einer Verletzung zu kämpfen und stieg letztlich leider nach der 1. Etappe aus. Das Wetter in Hanau war nun das absolute „Anti-Läuferwetter“, die Temperaturen waren mittlerweile auf 26 Grad angestiegen und es war Wolkenlos. Ein Stündchen machte man es sich noch gemütlich auf der Wiese vor der Main-Kinzig-Halle bevor es in Richtung Start ging. Auch hier hieß es zunächst wieder eine Tasche packen mit frischer Kleidung für die Übergangszeit, da man sein Fahrzeug ja noch nicht im Ziel zur Verfügung hat.

 

Das Einlaufen fiel verdammt schwer, so ein Atmen kenne ich eigentlich gar nicht. Knapp über 550 Läufer und Läuferinnen sind jedes Mal am Start, zwischen 430 bis 440 werden die Etappen durchstehen. Der eine oder andere steigt vorher aus.

Die 1. Etappe für nach Rodenbach, zunächst nichts spektakuläres, auch nicht viel profiliert. Die Sonne knallte erbarmungslos und schon nach einigen Kilometern war ich eigentlich schon platt. An jeder Getränkestation erfrischt, es nutzte nichts. Die Rippen merkte ich zwar auch, aber die Hitze machte mir noch mehr zu schaffen. Tempo rausnehmen, klar – aber trotzdem war es dadurch nicht einfach fast die komplette Strecke in der prallen Sonne zu laufen. Viel zu viele Körner hatte man schon auf den Rund 14 Kilometer langen Weg nach Rodenbach gelassen. Platz 54, war mehr als ich erwartet hatte, aber mir war klar – das war in keinster Weise gut. Mir standen noch 67 km bevor und ich war schon mächtig k.o. !

Nun gings ab in die Halle, im Geräteraum 2 Gymastik-Matten bereit gelegt. Die aufgegebenen Taschen geholt und das Nachtlager provisorisch schon mal vorbereitet. Kurze Zeit später kam auch schon Angelika und nach dem gemeinsamen Duschen (Ja richtig – beim BGL duschen Männer und Frauen gemeisam - da wird’s nicht so eng genommen :.-) ) ging es in Richtung Shuttlebus nach Hanau zurück den Wagen holen. Wieder angekommen, in der Gaststätte Nudeln essen und das Nachtlager fertig bereiten. Viel Zeit bleibt nie! In der 1. Nacht probierten wir es aus, auf einer Gymnastik-Matte zu schlafen. Fehlentscheidung – viel zu hart und unbequem. Die Nacht war kurz – jedes Geräusch schallte in der Halle, ob es ein Rascheln in einer Tasche war oder der Gang von jemanden zur Toilette. Da um 22.30 Uhr der Strom in der Halle abgestellt wird, heißt es auch Taschenlampe bereit legen. Garmin-Uhr ebenfalls irgendwo an einer freien Steckdose aufladen – und schnell, denn die anderen Läufer haben ja auch viel aufzuladen und wenn es nur der Rasierer ist.

 

Die Nacht war wieder grausig, neben den Rippen war man nun durch die harten Matten richtig gerädert. Da nutzte auch nichts das man eine Decke drauf legte bzw. ein aufblasbare Isomatte.

Gefrühstückt wurde wieder in der Gaststätte an der Bulauhalle, anschließend alles wieder zusammengepackt und die für die Zwischenstation vorbereite Tasche aufgegeben. Die 2. Etappe ist schon wesentlich schöner. Von Rodenbach aus geht es immer leicht hügelig in Richtung Käferberg, der es schon richtig in sich hat. Auch an diesem Samstagmorgen war es schon richtig heiß, nichts von den angekündigten wolkigen Wetter. Auf die Uhr schaute ich schon lange nicht mehr – da die einzelnen Etappen unterschiedlich profiliert sind, kann man Zwischenzeiten so oder so nichts anfangen. Man hält sich eher an Läufern aus dem gleichen Bereic h. Irgendwie sind es immer die Gleichen und so kann man sich gut orientieren ob es gut läuft. Es lief nicht so toll, auf der 2. Etappe verlor ich einige Plätze. Neben mir Erich, der grundsätzlich ALLE an der Strecke grüßt, ob jetzt applaudiert wird oder nicht. Ist es nur ein kurzes „Hallo“ oder „Einen schönen Tag noch…“ – er grüßt alle !! Irgendwie witzig! Es macht aber Spaß neben ihn zu Laufen, lieb und nett !! Muntert jeden Läufer in seinen Bereich auf. Bei fast Etappe sind wir ähnlich gelaufen – in der Geamtwertung ist er am Ende nur ein paar Sekunden hinter mir.

 

Bei der 2. Etappe lief es somit nicht ganz so gut. Platz 68 war deutlich schlechter, mit der Hitze kam ich gar nicht zu Recht. Die Anstiege klappten eigentlich ganz gut, aber beim Abwärtslaufen konnte ich das Tempo nicht erhöhen, da die Rippen schmerzten – es fühlte sich an wie ständiges Seitenstechen und das über etliche Kilometer. Im Ziel auch die erste Überraschung, an einem rechten Zeh bildete sich bei mir eine Blutblase und der Zehnagel sah auch nicht mehr gut aus. Typisch für mich bei heißem Wetter. Nach dem Zieleinlauf von Angelika – die übliche Zeromonie, mit Wagen nachholen, Tasche etc. ! Es wiederholt sich alles – deshalb alles hier kurz gehalten.

Nun hatten wir unser Tageslager auf einer Wiese ausgebreitet und als wir gerade den Wagen nachholten, fing es an zu Regnen. Schöne Überraschung – unsere Schlafsäcke für Abends waren pitschenass. Etwas gegessen und versucht ein wenig auszuruhen, bevor um 16.30 Uhr die 3. Etappe eingeläutet wurde. Rechtzeitig war die Sonne wieder da und brannte erneut erbarmungslos. Diese Etappe ist landschaftlich wunderschön, aber auch schwierig. Geht es zunächst leicht hügelig über Waldwege, Schotter und Asphalt, steht nach einigen Kilometern der Anstieg zum Rauenberg an. Bis dahin klappte es bei mir einigermaßen, aber oben angekommen – war vorbei. Richtig abgeschossen. Auch wenn es nun fast nur noch bergab ging. Ich war völlig am Ende, es ging nichts mehr. Ich musste Gehpausen einlegen, machte ausgiebige Pausen an den Verpflegungsstationen. Läufer, die sonst weit hinter mir sind, überrollten mich im warsten Sinne des Wortes. Ich war so k.o., eigentlich hätte ich komplett aussteigen können, denn zwei weitere Etappen waren nicht vorstellbar. Mir war es egal, ob jemand zu mir sagte: Da nur noch hoch, dann ist nicht mehr weit oder ähnliches. Ich ging und ging, am liebsten wäre ich bis ins Ziel gegangen. Platz 83 und richtig viel auf die anderen Läufer an Zeit verloren. Der Zeh sah katastrophal aus – eigentlich hätte man sagen müssen: Bis hierhin und Schluss !! Meine Hoffnung war einfach, die Nacht sollte es alles wieder „heile“ machen.

 

Der Akku war völlig leer! Nachtlager, diesmal mit Luftbett vorbereitet und das übliche…..Dann gings zur Pastaparty, für alle immer ein Highlight. Neben dem großen Büffet mit verschieden Sorten Nudeln und Salat, wird ein kleines Bühnenprogramm und eine Tombola veranstaltet. Ich liebe diese Pasta-Party, darauf freue ich mich jedes Mal. Auch wenn ich dieses Mal wieder nichts gewonnen hatte, es war wieder schön.

Die Nacht auf den Luftbett war angenehmer, wenn auch nicht toll. Jedes Umdrehen und Berührung an dem Zeh schmerzte. Neo-Balistol konnte da schon nicht mehr helfen.

Die 4. Etappe startete vor dem Rathaus am Sonntagmorgen in Gelnhausen. Die Königsetappe, diesmal geänderte Strecke, aber die Etappe mit den meisten Höhenmetern – kurz gesagt, die Schwierigste.

Da mir mittlerweile egal war welchen Platz und Zeit ich erreichen würde, stellte ich mich ins Mittelfeld. Und auch da war ich gut aufgehoben, denn nach dem Startschuss überholten mich etliche. Ich kam einfach nicht mehr voran! Wo schmerzte es mehr? Rippen oder Zehen ? oder war das schwierige Atmen ? Meine Beine fühlten sich gut an, der Rest passte einfach nicht. Alle Läufer, die sonst um mich herumliefen, waren gefühlte Kilometer von mir entfernt. Was aber erstaunlicher war: Bei jedem Anstieg kassierte ich einen nach den anderen wieder ein ! Hatte ich mich über Nacht so gut erholt ? So gut fühlte es sich beim Start ja gar nicht an. Aber scheinbar, liegt mir das Berglaufen. Bis oben am Berg angekommen, hatte ich fast alle Läufer, die in der Gesamtwertung um mich herumlagen eingeholt. Es rollte und rollte – bis auf ein paar Meter bei einen ganz steilen Stück, lief ich komplett durch. Wie mit Tunnelblick raste ich durch den Wald die Berge auf und ab. Ich stieß schließlich wieder auf Erich und überholte ihn sogar. Beim Abwärtslaufen ist er klasse und so war er letztlich im Ziel in Wächtersbach wieder ein paar Schritte vor mir im Ziel. Der Etappenplatz war zwar nur 76., aber in der Gesamtwertung konnte ich mich zumindest auf Platz 64 halten.

 

Was jedoch arge Sorgen nun machte – war der Zeh, der nur noch einen roten Knubbel glich mit irgendwas drum herum was mal ein Zehnagel war. In Socken zu kommen war kaum möglich. Ich war schon am überlegen ohne Socken die 5. Etappe zu laufen.

Beim Wagen Nachholen fing es nun auch an kräftig zu regnen. Wir machten zunächst Zwischenstation in Bad Orb um dort ein wenig zu futtern und anschließend schon mal den Wagen ins Ziel nach Steinau zu bringen. Es regnete und regnete !!

Gegen 14.00 Uhr holte uns pünktlich der Bus ab und brachte uns zum Start nach Bad Orb. Notfalls gehe ich die letzten 18 Kilometer sagte ich mir. Egal – hauptsache ankommen. Ich stelle mich wieder im Mittelfeld am Start, und wie schon bei der 4. Etappe schloss ich schnell auf die dahinstürmenden irgendwann auf. Nach km 1,5 gibt’s den Anstieg zum Orber Berg. Ein sehr steiler Anstieg, wo selbst die schnellen Läufer hoch gehen. Anschließend steil bergab an, auf nun nassen und teilweise schwierigen Waldboden. Einen nach den anderen kassierte ich ein. Und irgendwann schloss ich bei km 12 wieder auf Erich auf. Er war in der Gesamtwertung nur knapp 20 Sekunden hinter mir und so motivierte ich mich selber immer wieder: die paar Sekunden gebe nicht mehr komplett her. Ich kämpfte mich auch durch diese Etappe – und das nach dieser katastrophalen Etappe vom Samstagnachmittag. Zieleinlauf in Steinau, mit höllischen Schmerzen im Zeh, aber stolz wie Oskar sich so durchgebissen zu haben.

Nur 2 Plätze verlor ich in der Gesamtwertung und war somit 66. in der Gesamtwertung. Daran war am Samstagabend nicht zu denken.

 

186. Wettkampf  Etappe Datum Distanz Zeit Platz Gesamt--Platz
 Hanau - Rodenbach  1. 07.06.2013 15,5 km 1:08:40 Std. 54. von 498 54. Platz
 Rodenbach - Hasselroth  2. 08.06.2013  14 km 1:04:44 Std. 68. von 471 58. Platz 
 Hasselroth - Gelnhausen  3. 08.06.2013 17 km 1:17:24 Std. 83. von 471 65. Platz
 Gelnhausen - Wächtersbach  4. 09.06.2013 15,8 km 1:18:27 Std. 76. von 460 64. Platz 
 Bad Orb - Steinau  5. 09.06.2013 18 km 1:26:11 Std. 72. von 460 66. Platz
GESAMT       6:15:26 Std.   66. von 426
 

 

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