Münster-Marathon

"So hatte ich mir diesen Tag nicht vorgestellt......."

Wo fängt man an, wo hört man auf ? Bei diesem Laufbericht fällt es zunächst schwer die passenden Worte zu finden. Ich fange einfach mal von ganz vorne an. Vor 2 ½ Jahre hat mein Orthopäde eine Beinlängendifferenz von 1,5 cm festgestellt und mir auf Grund meiner Rückenprobleme, insbesondere für den Piriformis-Bereich, ein Fersenpolster verordnet. Ein paar Mal getragen beim Laufen und schon hatte ich andere Probleme, nämlich im Adduktoren-Bereich und im Knie. Also weggelassen und weiter ohne gelaufen. Nunmehr war ich aktuell in Physio-Therapie-Behandlung wegen einer Blockade und Schulter-/Rückenschmerzen. Und auch hier stellte die Therapeutin fest, dass die Beinlängendifferenz meine Probleme verursachen wird.

 

Doch was tut man, wenn man von 12 Wochen Training für einen Marathon , alles läuferisch gut läuft und in der 10. Woche ist ? Kein Risiko eingehen! Das Fersenpolster heraus gesucht, aber für „Nach“ dem Marathon aufgebahrt. Im Nachhinein, war es wohl ein Fehler – dieses nicht lange vorher zu benutzen. Denn die genau gleichen Probleme, wie bei den jetzigen Marathon, hatte ich vor 1 ½ Jahren beim Rennsteig-Marathon.

 

Nunja – somit ging am gestrigen Sonntag beim Münster-Marathon alles voll in die Hose.

 

Ich war als Pacemaker für die 4:00 Stunden-Marke gemeldet. Eine Zeit, die ich üblicherweise locker im Training laufe. Ich dachte in keinster Weise in den vergangenen Wochen daran, dass irgendwelche Probleme auftauchen würden. Das Training klappte super, lange Läufe hervorragend. Ja, ich meinte sogar, ich habe die beste Vorbereitung aller Zeiten hinter mir, und war mir sicher – locker auch unter 3:30 Std. zu laufen. Was ich allerdings nicht bedachte: Die langen Läufe von 35 km lief ich fast ausschließlich auf Waldboden, dieser Marathon war komplett auf Asphalt mit einigen Kopfsteinpflasteruntergründen.

 

Ich freute mich wahnsinnig auf diesen Marathon, konnte es kaum abwarten. Ich hatte mir vorgenommen vielen Läufern zu helfen diese Marke zu knacken. Letztlich war ich derjenige, der es nicht geschafft hat.

 

Schon ganz früh morgens ging es Richtung Münster. Ein Pacemaker-Treffen war gegen 8.00 Uhr angesetzt, und dort holten wir unsere Luftballons und Pace-Shirts ab.  Angelika begleitete mich und schoss viele Fotos, die als tolle Erinnerung verewigt werden sollten. Ich lernte meine anderen drei Pacemaker Stefan, Jörg und Thomas kennen und fand alle sofort sehr sympathisch. Das passte von Anfang an ! Wir marschierten gemeinsam in Richtung Startbereich und sprachen uns ab. Zwei sollten sich weiter hinten aufhalten, eher diejenigen, bei denen meist „die Gäule“ durchgehen – die anderen beiden vorne weg.

 

Ich hatte meine Pace für die 4 Stunden-Marke perfekt trainiert. Im Training lief ich wie ein Uhrwerk die 5:40 Min! Selbst der Halbmarathon in Rorup passte genau.  Trotzdem reihten sich Thomas und ich zunächst weiter hinten ein.

 

Um uns versammelten sich viele Läufer, die mit uns diese Marke laufen wollten und stellten Fragen, die wir gerne beantworteten.  Wie lauft ihr an ? Auf was für eine Zeit ?

 

Der Startschuss fiel und auf den ersten Kilometer klappte alles noch prima. Doch dann wurde unser Vordermann flotter….deutlich flotter. Ich verspürte zudem den Drang einmal bei einem freien Stück in einen Park auszutreten…..und kämpfte mich anschließend wieder ran. Bei ca. km 5 lief ich nach vorne und meinte, wir sollten ein wenig Tempo rausnehmen, wir sind zu schnell. Jörg, der andere Zugläufer, der vorne lief meinte: Das hab ich ihn auch schon gesagt.

 

Na gesagt getan. Wir liefen weiter und wurden immer flotter. Thomas, der mit mir weiter hinten gestartet ist, versuchte nachher nochmal unseren Vordermann zu animieren ein wenig Tempo rauszunehmen. Irgendwann lagen wir über 1 Minute bereits über den vorgegebenen Soll. Viel zu schnell, wir wollten ja auch nicht dass die anderen Marathonis, die sich auf uns verließen sich kaputt laufen. Also ging ich nochmal nach vorne und bat darum Tempo rauszunehmen.

 

Ich ließ mich einige Meter zurückfallen und dachte mir immer: Wir können ja nicht die Lücke jetzt so gross werden lassen zu ihm und ihn davon laufen lassen. Vielleicht hätte man das aber machen sollen. Jedenfalls war das Tempo so flott, dass wir bereits bei Halbmarathon über 2 Minuten schneller waren als vorgegeben. Rauslaufen um anschließend an den Getränkestellen eine Pause zu machen, war eigentlich nicht mein Ziel – ich wollte eigentlich gleichmässig durchlaufen. So war es aber oft.

 

Immer wieder tolle Stimmungsnester ob in Nienberge, Roxel oder Gievenbeck. Toll ! Münster-Marathon ist wirklich ein Fest. Wir liefen auf km 23 zu und dieser Abschnitt ist bekannt, dass er sehr windanfällig ist. Das merkte man schon daran allein, dass der Luftballon von Stefan nicht mehr zu sehen war, da er nach unten gedrückt wurde. Bis km 29 zieht sich dieses Stück über die Wirtschaftswege. Wir erreichten Roxel und bei km 30 merkte ich so langsam meine linke Wade zwicken. Dachte mir aber zunächst nichts dabei, da ich mich zum einen auf die Kompressionsstrümpfe verließ, mich gut mit Getränken und Gel versorgt hatte und zudem das Tempo eigentlich für mich nicht flott war. Mein Trainingstempo bei den langen Läufen ist wesentlich schneller.

 

Aber so kann man sich täuschen. Bei Kilometer 32 muckte auch die rechte Wade und ich nahm ein wenig Tempo raus. Schließlich waren wir deutlich unter 4 Stunden! Meine anderen beiden Pacemaker, die hinter mir waren schlossen auf und meinten: Dann lass uns 3 neben einander laufen und wir ziehen das restliche Stück jetzt gemeinsam durch. Das war nett gemeint, aber für mich kam kurz vor km 38 das aus. Neben den Waden, die nun fortlaufend bollerten, ging mir sogar kurz die Puste aus ! Was ich gar nicht bisher kannte. Das gab sich zwar, nach einem kurzen Moment, doch zuvor übergab Thomas meinen Ballon, seiner war unterwegs geplatzt und ließ die beiden davon ziehen. Es tat mir höllisch weh in der Seele zu sehen, wie sich beide Ballons entfernten. So sollte dieser Tag nicht werden.

 

Wer einmal stehen bleibt, der verliert, wenn man so viele Kilometer auf dem Buckel hat. So war es auch. Ich kam nicht mehr richtig ins Laufen, immer wieder kurz am Traben mit ständigen Gehen. Peinlich, das als Pacemaker! So kurz vor dem Ziel steigt man aber auch nicht aus. So etwas ist nicht mein Ding. Irgendwie schleppte ich mich auf die Zielgerade und wollte zumindest die gigantische Stimmung genießen: Münster ist einfach klasse! Was hier auf die Beine gestellt wird – einfach Wahnsinn! Nur ein paar Meter vor dem Ziel machte mein rechtes Bein komplett dicht, das fast nichtmals mehr Gehen funktionerte. Und genau das war das, was ich beim Rennsteig ab km 30 hatte.

 

4:06:21 Std! Pacemaker-Job in den Sand gesetzt. Auch wenn das unkontrollierte Tempo sicherlich nicht die Ursache war sondern vielmehr die muskelären Probleme und das mir zwischenzeitlich bei km 38 kurz die Puste ausging.

 

Ich hatte mich so auf diesen Tag gefreut, dieser sollte was ganz besonderes werden und nun war alles mit einem Mal zerstört. Seit der Bekanntgabe, dass ich bei dem Marathon als Pacemaker eingesetzt werde, war ich voller Vorfreude und dachte an den 09.09. ! In der Vorstellung hatte man eher daran gedacht, Läufer zu animieren, welche auf den letzten Kilometern Probleme haben und nicht umgekehrt.

 

Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass ich bei diesem Tempo Wadenprobleme bekommen würde. Ich war den Tränen nah. Ich bin dieses Tempo letztes Jahr locker zusammen mit meinen Schatz in Hamburg gelaufen und jetzt ist dieses nicht mal mehr zu erreichen.

 

Scheinbar ist die Zeit vorbei, diese Distanz zu laufen. Ich möchte nicht wie es andere bei Marathons oder Ultras tun, so lange laufen bis man geht und dann geht, bis es wieder läuft.  Das ist nicht meine Vorstellung von Laufen.

In den nächsten Wochen werde ich mit Fersenpolster laufen und sehen wie sich mein Rückengerüst und meine Waden darauf verhalten.

 

Zum Marathon: Auch wenn ich ihn bereits vor 5 Jahren gelaufen bin, ich kann wieder nur bestätigen – es ist einer der schönsten Marathons überhaupt. Ein tolles Programm wurde aufgezogen, ein tolle Stimmung und eine tolle Organisation.

 

 

283. Wettkampf Datum Distanz Zeit Gesamtplatz AK-Platz Schuh
Münster 09.09.2018 Marathon 4:06:21 Std  
  Asics Nimbus

 

 
   

 

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