Beim Thema New York City Marathon wird jeder Läufer bzw. Läuferin direkt hellhörig. Dieser Marathon ist absolut Kult in der Läuferszene. Wer dort schon einmal teilgenommen hat, der weiß warum man das sagt. Dieser Marathon ist der größte weltweit. Eine tatsächliche Vorstellung, wie man sich fühlt daran teilzunehmen, bekommt man erst, wenn man tatsächlich vor Ort war. Jeder der sagt, dass dieser Marathon in keiner Marathonsammlung fehlen darf, hat zu 100 % Recht!!! Ist zumindest meine Meinung!!! Seit ich Marathon laufe, träumte ich davon, irgendwann einmal dabei sein zu dürfen. Dass dieser Traum in Erfüllung gehen sollte, war eher unvorstellbar. Die Preisfrage solch eine Reise ( inkl. Marathon ) zu buchen, machte unsere Entscheidung immer leicht. Umso größer war die Überraschung und Freude, als Roland am 21.01.09 eine E-Mail von marathon4you bekam, das er eine Reise und einen Startplatz beim Marathon " beim Voting 2008 in Dezember " gewann.  Zuerst trauten wir unseren Augen nicht und fühlten uns irgendwie stark reingelegt :-) Als diese Mail dann durch ein persönliches Gespräch bestätigt wurde, waren wir zwar völlig aus dem Häuschen, aber immer noch hatten wir ein ziemliches Unbehagen in uns. Sollte das wirklich wahr sein? Immer wieder kam diese Frage in uns hoch und unsere Gefühle schlugen immer wieder Purzelbäume, bei der Vorstellung, dass es wahr sein musste, weil wir durch ein persönliches Gespräch die Bestätigung bekommen hatten. Sponsor dieser Reise war die Reiseveranstaltung " interAir ". Auch dort bekamen wir durch ein persönliches Gespräch die Bestätigung :-) Da der Gewinn nur für 1 Person galt, buchten wir natürlich für mich nach. Wenn eine Reise dort hin und noch dazu am Marathon teilnehmen, dann doch nur im Doppelpack :-) Eine Nachbuchung der Reise stellte kein Problem dar, nur eine direkte Zusage für den Marathonlauf konnte interAir mir nicht geben, da sie keine Plätze mehr frei hatten. Ich kam somit auf eine Warteliste. Man machte mir zwar Hoffnungen, dass ich garantiert auch eine Startberechtigung erhalten werde, doch dazu hieß es geduldig sein. Am 29.01.09 wurden bei marathon4you die Gewinner offiziell bekannt gegeben und ab jetzt hieß es nur noch voller Vorfreude in die Planungen einzusteigen. Ab Februar ging es dann Schlag auf Schlag. Wir bekamen unsere ersten Reiseunterlagen von interAir, wir beantragten Reisepässe und stellten übers Internet schon einen ESTA Antrag, kauften und studierten einen Reiseführer, stellten uns einen Plan auf - was wir sehen müssen, durchforsteten das Internet nach sämtlichen Fotos und Berichten zu diesem Event, stöberten bei Ebay nach Laufshirts ( Deutschlandshirts ) - für den Marathon sowie für den Frienshiprun, erstellten uns unseren Trainingsplan und und.....! Allein sich ständig damit auseinander zu setzen war für mich schon ziemlich aufregend :-) Auch wenn man vorher noch glaubte, bis Oktober sei noch so lange, die Zeit flog nur so an uns vorbei. Als dann am 05.08. eine Nachricht kam, dass auch ich eine garantierte Startberechtigung habe, schlug mein Herz erneut Purzelbäume. Es war, als hätte man noch einmal gewonnen :-) In September hatten Roland und ich unsere grobe Planung abgeschlossen. Unsere Tage waren natürlich gut ausgefüllt - wie immer :-)

 

Mein Trainingsplan bastelte ich mir, wie bisher für meine anderen Marathonläufe, nach einem Muster der Münster Marathonpläne. Das Training verlief überwiegend nach einer Zielzeit sub 4 Stunden. Geplant war aber hier " SPAß "! Mein Hintergedanke mit dem Training war, dass ich damit evtl. locker 4:30 - 4:45 Stunden laufen kann. Ob die Rechnung allerdings aufgeht, musste man vorerst abwarten. Bis auf wenige Ausnahmen konnte ich die geplanten 14 Wochen Training gut einhalten. Je näher wir der Abreise kamen, desto schwieriger wurde natürlich das Training - wie immer :-) Ich machte mir Gedanken, ob ich tatsächlich richtig trainiert habe, oder ob ich mich damit nicht abgeschossen hätte. Gleichzeitig machte ich mir Gedanken, wie man sich am Renntag wohl fühlen wird und ob man tatsächlich auf die geplante Zeit laufen kann. Es sollte doch irgendwie alles anders werden. Die Zeitverschiebung, der lange Flug, das Schlafverhalten, das Essverhalten. Selbst das Training in den letzen Tagen vor dem Renntag war anders geplant, als man das vor einem WK kennt. Hier hieß es Freitag ca. 7 KM beim Trainingslauf und Samstag 4 KM beim Frienshiprun teilnehmen. Hinzu die ganzen KM zum Sightseeing :-) Je näher wir dem 01.11. kamen, umso mehr Panik stieg in mir hoch. Meine Vorfreude auf diesen Lauf war zwar enorm groß, doch sie wurde auch stark von Angst begleitet. Ich wollte diesen Lauf genießen, mich nicht quälen, doch sollte das nach all dem möglich sein? Hinzu kam, dass ich seit der Abreise starke Halsschmerzen hatte und auch nicht wusste, ob ich gesundheitlich tatsächlich fit war! Auch die Flüssigkeitsaufnahme war in den letzten Tagen vor dem Rennen nicht die beste. Roland und ich waren uns aber einig, dass wir so laufen, dass ich mich gut fühle und wenn wir auch über 5 Stunden laufen - das war egal. Unsere Pacetabellen waren aber auf die anvisierte Wunschzeit ausgelegt.

Zum Marathon:

Es war tatsächlich so weit. Seit dem 29.10. waren wir vor Ort. Wir haben viel unternommen und alles ( außer die Halloweenparade )gesehen, was wir wollten. Heute Morgen hieß es Marathon laufen :-) Was uns hier und heute erwartet, stand offen und in mir sah es ziemlich durcheinander aus. Ich freute mich riesig, doch meine Angst, mich hier quälen zu müssen begleitete mich weiterhin. Die Nacht verlief trotz aller Aufregung ziemlich ruhig und war sogar eine Stunde länger, da hier erst in dieser Nacht die Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt wurde. Übrigens waren meine Halsschmerzen wie weggeblasen! Waren das die Endorphine :-) ? Als man sich in die Rennkleidung und in die dicke Wegwerfkleidung gepellt hatte, ging es direkt in dem Speisesaal des Hotels. Das hier Frühstück angeboten wurde, war eine Überraschung, denn es hieß, dass das Hotel eigentlich keine Ausnahmen macht. Hier zeigte sich aber schon vor dem Rennen, dass die Amis doch irgendwie anders sind und für die Marathonis eben alles machen :-) Es war schon gerappelt voll, hier unten. Bereits beim Frienshiprun hatten wir gesehen, wie viele Läufer ( - innen ) hier untergebracht waren, doch heute waren es noch viel mehr. Ich machte mir noch schnell 2 Scheiben Toast mit Marmelade, bevor es auch schon los ging.

 

Für die Fahrt zum Startbereich - " bei Fort Wadsworth auf Staten Island " - , organisierte interAir 2 Reisebusse. Auch wenn Roland und ich es nicht eilig hatten, in den ersten Bus zu kommen, weil wir glaubten - " später vor Ort heißt weniger warten " - so saßen wir nachher doch darin :-) Als der Bus voll war, wurde auch gar nicht lange gewartet und es ging los. Die Euphorie in mir stieg und stieg, umso näher wir der Verazzano Narrows Bridge kamen. Aus allen Ecken kamen Reisebusse, voll mit Läufern. Im Bus herrschte eine wahnsinnige stille. Alle waren irgendwie in sich gekehrt und scheinbar beobachtete jeder das Treiben draußen auf den Straßen. Noch so früh und dunkel, dazu leichter Regen, bei 11 Grad und trotzdem so viel Leben da draußen. Es war einfach unglaublich. In vielen Berichten las man vorher, dass es ziemlich spannend sei, während der Fahrt zum Start, weil die Verazzano-Brücke ab 7:00 Uhr gesperrt wird. Diese Brücke ist die erste von fünf, welche von den Marathonis überquert wird. Sie ist der höchste Punkt der Strecke und erstreckt sich über eine Spannweite von 3 KM. Die Angst, dadurch nicht in den Startbereich zu gelangen, sollte groß sein, doch das Gefühl entwickelte ich nicht. Oder war es deswegen so ruhig in unserem Bus? War es tatsächlich die Anspannung? :-) Ich machte mir zumindest darüber keine Gedanken, denn die Fahrt ging in meinen Augen zügig, wenn es teilweise auch schon sehr voll war, auf den Straßen. Kurz bevor wir die Brücke passierten machte sich meine Blase bemerkbar. Als ich mich in dem Reisebus nach hinten rekelte, sah ich, wie vielen Leuten die Blase schon drückte :-) Entweder zeigte sich hier eine Nervosität oder alle haben doch gut getrunken :-) Die Aussicht von der Brücke war einfach phänomenal, wenn einem auch hier richtig bewusst wird, was hier gleich gelaufen werden musste. Von oben hatte man bereits schon einen guten Ausblick in die vorgesehenen Wartedörfer. Das Feld, welches hier für die Teilnehmer vorbereitet wurde, war gigantisch groß und man konnte das Ende dieser Vorrichtung nicht sehen. Mein Wartebereich " grün " lag direkt unter uns und somit konnte man schon vom Bus aus sehen, wo wir unsere Wartezeit absitzen werden :-) Oben auf der Brücke reihten sich mehrere Schlangen Busse. Alle mit demselben Ziel :-) Wir hatten Glück, denn unser Busfahrer entschied sich für die ganz linke Spur, wo es ohne Wartezeit so durch ging :-)  Als wir so gegen 6:45 Uhr unser Ziel erreichten, war es schon hell und der Regen hörte fast auf. Nur noch ganz leichter Nieselregen war zu spüren. Trotzdem pellte ich mich direkt in einen Plastik-Umhänger, welcher von interAir im Bus verteilt wurde. Nicht ganz aus dem Bus und nur weniger Meter vom entfernt, standen 4 schwarze Amis ( Helferinnen ) - die schon in Bombenstimmung waren. Sie fetzen jetzt schon, wie auf einer Party und feierte die Läufer - mit enormer Kraft! Ich konnte nicht anders, als mich zu denen zu gesellen und mitzufeiern :-) Das war einfach genial! So etwas habe ich noch nie erlebt. Gemeinsam mit Jens & Roland machten wir uns dann auf, in Richtung Wartebereich. Es gab drei so genannte Wartedörfer. Man wurde nach der jeweiligen Bestzeit hier eingeteilt. Jens & ich waren in dem grünen Wartedorf. Roland eigentlich im blauen - doch durch unseren gemeinsamen Start, durfte er auch hier hinein. Es wurde streng kontrolliert. Alles war hier top organisiert. Die Menschenmasse verlief sich durch diese Wartedörfer und dem Wellenstart richtig gut. Es wurde teilweise zwar sehr voll, aber dass man hier mit zig Tausend Teilnehmern rumkrabbelte, merkte man nicht. Im Wartedorf angelangt, trennte sich der Weg mit Jens, denn seine jetzige Planung sah anders aus, als unsere. Jens zog seinen Weg. Roland suchte zuerst seinen Wartedorf, denn nur dort konnte er seinen Kleiderbeutel an die vorgesehen UPS-Wagen abgeben und ich suchte für die lange Wartezeit unser Zeltlager :-) Dafür fand ich ein schönes Fleckchen an einem Zaun, damit wir auch einen Gelegenheit hatten, uns anzulehnen. Und das Beste war, von hier aus hatte man einen guten Überblick über das Wartedorf. So konnte man schön in sich kehren und das Treiben, der Läufer beobachten :-)

 

Nachdem ich unsere Isomatten ausgebreitet hatte, machte ich es mir auch direkt bequem :-) Bis Roland von seiner Tour zurück kam, verging ganz schön viel Zeit. Sofort hatte er auch jetzt schon viel zu berichten :-) Ich gab auch jetzt meinen Kleiderbeutel ab, holte mir noch einen Riegel von Powerbar sowie einen Bagel. Auf der Isomatte zurück, wurde erst einmal in aller Ruhe gefrühstückt! Ich fand das ganze ziemlich aufregend und toll. Das Wartedorf wurde nach unserer Ankunft immer voller, so dass es nachher schon schwierig war, hier ein Fleckchen zu finden, sich auszubreiten. Im Hintergrund lief durchweg eine Lautsprecherdurchsage. Ziemlich monoton und immer dasselbe. Jeweils in englisch und in deutsch. Das war das einzige, was mich hier ziemlich nervte. Ich hatte schon Angst, nachts davon zu träumen :-) Irgendwann hatte Roland dann eine Vorstellung im Kopf, die mit meiner nicht übereinstimmte. Er war irgendwie ein wenig durcheinander, denn er glaubte, es sei schon eine Stunde später, als meine Uhr anzeigte. Er konnte sich nicht vorstellen, erst so kurz hier gewesen zu sein. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass meine Uhr schon die richtige Uhrzeit angibt. Schließlich hatte ich sie erst im Bus noch umgestellt auf die jetzige Winterzeit. Er war aber von seinen irren Gedanken nicht abzubringen. Als sich dann auch noch die Lautsprecherdurchsage änderte und irgendwas erzählte, von wegen schnell zur Startaufstellung, sonst muss man eine Welle später starten, war er noch mehr davon überzeugt, dass wir bereits eine Stunde später haben. Da weder er noch ich die Durchsage komplett mitbekommen hatte, machte er Druck, dass wir uns zum Startbereich aufmachen müssen. Plötzlich brachen aber etliche Teilnehmer auf, somit auch wir. Schnell zogen wir uns unsere dicke Warmhaltehose aus, entsorgten diese und die Isomatte, zogen unsere Schuhe wieder an und machten uns auf den Weg. Ich konnte es trotzdem nicht glauben, dass es bereits so spät sein sollte. Trotzdem war ich irgendwie verwundert, dass sich unzählige bereit machten. Keiner von uns beiden kam natürlich auf die Idee, dass wir in der zweiten Welle starten und mit dieser Durchsage die erste Welle gemeint war. Das wurde uns dann von einer Helferin gesagt, als wir in den Startblock wollten. Also hatte ich meine Uhr doch richtig gestellt und es war tatsächlich noch eine Stunde früher, als mein Schatz glaubte. Na prima - jetzt sprangen wir in kurzer Laufhose herum, hatten keine Sitzmöglichkeit mehr und mir wurde schnell richtig schön kalt.  Auf dieser riesigen Wiese war eine große Bühne aufgebaut. Hier wurde Live Musik gespielt. Um uns warm zu halten tanzten wir ein wenig über Wiese. Schnell kam sogar das Fernsehen und nahm uns noch auf :-) Lange konnte man aber nicht so vor sich hin zappeln - schließlich hieß es gleich Marathon laufen. Um meine Beine noch ein wenig zu entlasten, krümelte ich mich in meinem Plastik-Umhänger ( von interAir ) auf die Wiese. Angenehm war das allerdings nicht, denn man spürte die Kälte und die Nässe, die in der Wiese steckte ganz schön. Also doch nicht mehr sitzen. Wir vertrödelten also unsere Zeit, indem wir ständig in Bewegung waren, damit man zumindest etwas warm blieb. So wirklich ging das bei mir aber nicht. Mir war einfach nur kalt. Von hier aus hatten wir aber einen tollen Ausblick auf die Brücke und somit konnten wir den Start der Spitzenläufer und der ersten Welle von dem grünen Block beobachten. Es war genial, wie die Stimmung stieg, als die Spitze auf Reise geschickt worden ist. Bereits hier wurden meine Augen schon ziemlich feucht. Auch als die erste Welle aus dem grünen Block auf die Strecke geschickt wurde, stiegen sämtliche Emotionen in mir hoch. Meine Angst vor diesem Lauf war weg, meine Euphorie erreichte den Höhepunkt und ich wollte auch einfach nur noch los. Es dauerte nach dem Startschuss für den grünen Block ewig lange, bis die gesamte erste Welle auf der Strecke war und der Startblock für die zweite Welle ( also auch für uns ) freigegeben wurde. Entlang am Startblock gibt es 7 Durchgänge, an denen man kontrolliert wird, dass man auch in den richtigen Block kommt. Diese 7 Blöcke waren jeweils nach den Startnummern gekennzeichnet. Die Gruppen vor diesen Eingängen wurden immer größer. Man stand schnell - dicht an dicht. Roland und ich hatten Glück, dass wir so früh hier waren, denn somit hatten wir weit vorne einen Platz. Die Zeit drängte langsam und wir wollten noch einmal das stille Örtchen aufsuchen. Wir machten aus, sofort durch zu düsen, um schnell noch einen Platz für die vorgesehen Dixis zu ergattern. Als wir endlich den Startblock passieren durften, düsten wir sofort in Richtung Dixi. Wir hatten Glück und standen direkt in der ersten Reihe. Viele hatten dasselbe Vorhaben und es bildeten sich extrem lange Warteschlangen. Manche begaben sich aber auch direkt in Richtung Start.

 

Nach dem Dixi-Besuch suchten auch wir uns ein Plätzchen und warteten gespannt darauf, dass es endlich losging. Ich zappelte weiter vor mir her, weil mir einfach nur unglaublich kalt war. Es ging für die zweite Welle aber ohne lange Wartezeit auch schon los. Wir konnten rucki-zucki auch schon aufrücken und von oben hörten wir das Lied " NEW YORK - NEW YORK " Das gesamte Feld jubelt, feiert und setzt sich langsam in Bewegung. Kurz bevor wir in Richtung Start traben, stehen rechts von der Strecke noch Helferinnen die darauf hinweisen, alle überflüssigen Kleiderstücke hier abzugeben. Ich entledigte mich von meiner Sweatshirt-Jacke und zitterte nun noch mehr :-) Gut, dass es jetzt auch direkt überging in einem leichten Laufschritt. Noch bevor ich an der Startlinie meine Uhr drücken konnte, erreichten wir ein angenehmes Tempo und hatten freie Bahn. Wahnsinn - so ein Läuferfeld und null Gedrängel. Direkt konnte man sein Tempo finden. Unglaublich. Es war einfach der absolute Wahnsinn - wir waren tatsächlich auf unsere erste Meile beim New York City Marathon. Ich war so stolz und wieder bekam ich feuchte Augen. Der Start für den grünen Bereich zieht sich über die untere Ebene der Brücke - leider ging es für uns nicht ganz oben drüber. Die Aussicht von ganz oben sollte atemberaubend sein, aber die Emotionen schlugen auch so Purzelbäume :-) Der Start über die erste Brücke war schon ernst zu nehmen und man musste hier schon mit viel Vorsicht den Lauf beginnen. Wer sich bei diesem Anstieg überschätzt, schießt sich direkt auf die erste Meile ab. Ich gab das Tempo vor und das lag bei der ersten Meile bei 10:49  Minuten. Ich wählte das Tempo so, dass ich noch locker durch den Mund atmen konnte. Roland warf immer einen Blick zu mir, damit ich nicht zu schnell werde, doch mein Respekt vor dieser Strecke war selbst groß genug, um vorsichtig anzugehen. Da es hier auf dieser Brücke ziemlich windig war, wurde mir einfach nicht warm. Trotz Laufschritt fröstelte ich weiter vor mir hin. Am Ende der Brücke war es aber schnell vergessen, dass mir kalt war, denn hier wurden wir schon von den ersten tobenden Zuschauern empfangen :-) Der Anstieg und die Kälte waren direkt vergessen und die Stimmung in mir überschlug sich. Ab hier begann der Party-Marathon. Die Zuschauer jubeln, kreischen, winken, tröteten, wirbelten ratschen um sich herum und halten ihre Hände zum abklatschen bereit. Alle Altersgruppen sind hier vertreten und geben alles, um die Läufer nach vorne zu bringen. Meile 2 war dann auch schon mit 9:40 Min. schneller. Gedanken machte ich mir aber nicht, denn das Tempo war genau richtig und außerdem ging es auch wieder Brücke abwärts. Ich begann direkt ab hier, mit den Zuschauer mitzufeiern. Hände die zum abklatschen in die Läuferscharr gestreckt wurden, klatschte ich ab. Es war einfach fantastisch. Neben dem Krach der Zuschauer immer wieder unzählige Bands oder auch einfach nur laute Musik, von Zuschauern. Hier gab jeder, einfach alles. Ich genoss so sehr, dass ich von der Umgebung fast nichts mitbekam. Immer wieder steuerte ich in Richtung Zuschauer und klatschte Hände ab. Wenn ich nicht abklatschte, jubelte ich mit den Zuschauern mit :-) Es war genial. so etwas habe ich noch nirgends erlebt. Die Stimmung hier, ist selbst mit Hamburg und Frankfurt nicht zu vergleichen. In Hamburg und Frankfurt sind immer Abschnitte, an denen Fete gemacht wird, doch hier hörte der Lärm gar nicht auf. Da wo die Leute stehen konnten und durften, standen sie! Die gesamte Strecke durch Brooklyn zieht sich wellig über eine ziemliche Gerade. Immer wieder hat man weitläufig das riesige Läuferfeld im Visier und die aneinandergereihten Zuschauer, so weit das Auge reicht. Diese Bilder werde ich nie vergessen :-) Es war einfach Genuss pur. Schnell waren Roland und ich uns noch mehr einig, als vor dem Start: " Diesen Marathon MUSS man einfach auf Genuss laufen "!

 

Ab Meile 3 pendeln wir uns auf eine ziemlich gleichmäßige Pace um die 10:05 bis 10:10 Minuten ein. Immer leicht drunter und mal leicht drüber. Je nach Streckenabschnitt, denn eigentlich ging die gesamte Strecke leicht auf und ab. Manchmal auch ein wenig mehr, als nur leicht :-) Das Tempo war für mich absolut genial. Gefühlsmäßig schwebte ich förmlich über die Strecke - es war einfach herrlich! So sollte es sein. Verpflegungspunkte kamen reichlich und Roland und ich fanden auch schnell einen Rhythmus, so dass wir gleichmäßig alle vier Meilen etwas zu uns nahmen. Das hieß auch alle 4 Meilen in einem schnellen Gehschritt verfallen - trinken und weiter. Weiter laufen und weiter feiern :-) Man konnte sich hier echt nicht beschweren. Ob Verpflegungspunkte, Dixis an jeder Verpflegungsstelle, Live Bands, einzelne DJs oder die krachmachenden Zuschauer - man bekam kaum eine Chance darüber nachzudenken, ob es einem schlecht geht. Man zog so locker an den Massen vorbei, das ist einfach unbeschreiblich. Hier feiert " jeder für jeden " und " jeder mit jedem "! Die Zuschauer reichten sogar Kleenex-Tücher, Vaseline, Snickers, Weingummistangen und was weiß ich was noch! Schon sehr früh bemerkten wir schon Läufer, die am Rand standen und ihre Beinen Dehnen mussten oder die einfach Gehpausen einlegen mussten. Ich fand es ziemlich schade, dass so viele sich so verschätzt haben und die Strecke nicht ernst genommen haben. Bereits auf der ersten Meile sind so viele an uns vorbeigesaust, wo man sich seinen Teil dachte und schnell wurden diese Gedanken bestätigt. Ich horchte manchmal kurz in mir hinein, um rechtzeitig festzustellen, ob man Tempo rausnehmen muss, aber bei mir war alles gut :-) Gleichmäßig und locker genieße und feiere ich jede Meile. An jedem Meilenschild werfe ich einen kurzen Blick auf meine Uhr, um das Tempo im Visier zu halten. Sich gefühlsmäßig auf das Tempo zu verlassen, könnte hier fatal sein, aber bei uns passte das Gefühl einfach zum Tempo. Zwischendurch kamen mir aber immer so Gedanken, ob sich mein austoben hier auf der Strecke nicht später rächen wird. Oft dachte ich mir, irgendwo bei Meile ???? kommt der Schlag und ich bekomme die Quittung dafür, doch heute schien einfach mein Tag zu sein :-) Die Euphorie war einfach nicht zu bremsen! Kurz unterbrochen wurde es bei Meile 8, als ich Roland`s prall gefüllten Augen sah. Selbst ihm schossen Tränen in den Augen, als es mal wieder an einer Band vorbei ging. Leider wurde das ganze noch wegen seinem Schmerz verstärkt - das holte einen natürlich für einen Moment zurück in die Realität. Aber auch hier war man wieder schnell abgelenkt und die Fete ging weiter. Die Meilen ziehen an uns vorbei, weiterhin gleichmäßig und locker und immer wieder bin ich am Rand bei den Zuschauern zu finden :-) Nur wenige Punkte nehme ich von der Umgebung wahr. Als die Strecke durch Williamsburg ging, wurde ich aufmerksamer auf das Umfeld, denn hier war es erstaunlich ruhig. Das jüdische Viertel steht zwar auch an der Strecke und manche klatschen leise vor sich hin, doch die ernsten Gesichter waren schon fast gruselig. Es war gar keine Mimik in deren Gesichter zu finden. Dieser Streckenabschnitt zog aber schnell an uns vorbei und wir waren wieder direkt im Trubel.

 

Manche Streckenabschnitte waren teilweise ziemlich windig, so dass ich sogar mein Lieblingscappy auf der Strecke verloren habe. Ein anhalten und aufheben war wegen der Läufermasse nicht möglich, das hätte böse ausgehen können. Somit wurde mein Lieblingscappy nun auch dort auf der Laufstrecke verewigt :-) Irgendwie war aber selbst das voll komisch - ich ärgerte mich gar nicht großartig :-) Wir ziehen weiter, kommen nach Brooklyn und passieren die zweite Brücke ( Pulasky-Bridge ). Auf deren Auffahrrampe befindet sich der Halbmarathonpunkt, welchen wir mit 2:13:35 erreichen.  Wir ziehen locker weiter Richtung Queens und freuen uns schon auf Meile 13. Dort war ein Punkt von interAir, wo Fotos geschossen werden sollten, wenn man auf sich aufmerksam macht. Zeitig bereiteten Roland und ich uns natürlich darauf vor, denn ein tolles gemeinsames Foto, ist natürlich auch genial und wollten wir haben :-) Nach diesem Fotopunkt ( welcher doch eher bei Meile 14 Lag ) sehe ich schon Brücke Nr. drei - " Queensboro-Bridge ". Diese Brücke führt uns nach Manhatten auf die First Avenue. Auch dieser Anstieg war nicht zu unterschätzen und mit Bedacht bestreiten wir auch diese. Hier muss ich aber dabei sagen, dass sie nicht nur ziemlich steil war - nein sie hörte auch gar nicht auf. Zum ersten Mal spürte ich heute, dass das Laufen auch Kraft kostet :-) Ich sparte mir sogar das Reden und konzentrierte mich voll auf das Tempo und meine Atmung. Oben angekommen war meine Luft trotz des bescheidenen Tempos ziemlich knapp. Diese Brücke war genau so unschön wie die erste. Steil, dunkel - da wir wieder auf die untere Ebene liefen, windig und kalt. So lang wie es aufwärts ging, lief es dann auch abwärts und ich konnte mich schnell wieder erholen. Als wir uns dem Ende dieser Brücke näherten und in Richtung Manhatten steuerten, wurde einem schnell klar, wovon andere gesprochen haben, wie man hier empfangen wird. Wenn man bis hierher glaubte, die Leute haben alles gegeben, der hat sich getäuscht. Die Zuschauerreihen waren noch enger, dichter und lauter und haben uns lautstark empfangen. Einfach Gänsehaut pur!!! Vielleicht habe ich auch deshalb nicht gemerkt, ob ich durch die Brücke noch erschöpft war oder nicht. Wie auch vorher schon, muss man einfach sagen, dass das Publikum dafür sorgt, dass man gar nicht über sich nachdenkt. Der ganze Lauf ist einfach nur eine große Fete, mit Menschen jedes Alters. Auch hier ging es weiter mit Hände abklatschen :-) Irgendwo nach dieser Brücke, fällt mir ein kleiner schwarzer Junge auf. Zusammen mit seiner Mutter hatten sie ein ziemlich ruhiges Plätzchen an einer Haltestelle. Dieser kleine ( vielleicht gerade mal im Kindegartenalter ) stand am Straßenrand, mit einem süßen Lächeln über beide Ohren und hielt sein kleines Händchen zum abklatschen bereit. Er fiel mir direkt ins Visier, ich fand ihn so süß, ich musste einfach zu ihm hin. Ich klatschte sein kleines Händchen ab, er schenkte mir sein süßes Lächeln - welches ich heute noch vor Augen habe. Er schaffte es, dass ich gar nicht anders konnte, als mich zu bücken, ihn in den Arm zu nehmen und Roland schoss noch ein Foto von uns beiden. Er strahlte die ganze Zeit und warf immer fragende Blicke zu seiner Mutter. Aber auch diese freute sich und genoss scheinbar diesen Moment. Einfach unbeschreiblich solche Momente!

 

Es ging fröhlich weiter und wir bereiteten uns wieder zeitig vor, um bei Meile 17 noch ein weiteres gemeinsames Foto von uns zu bekommen, denn auch hier wollte interAir wieder stehen. Auch das klappte wieder prima :-) Nach diesem Fotopunkt geht es weiter, wir passieren ca. bei Meile 19 die vierte Brücke " die Willis Avenue Bridge ". Hier geht es von Manhattan noch einmal Richtung Norden und wir schneiden kurz die Bronx an. Dieser Streckenabschnitt ist mit ca. 2 Meilen doch recht kurz und schnell passieren wir die letzte und 5.  Brücke " die Madison Avenue Bridge ". Wir sind wieder in Manhattan, weiter geht es durch den Stadtteil Harlem auf die Fifth Avenue. Hier zieht sich die Strecke entlang der Museumsmeile von New York in Richtung Central Park. Das natürlich spürte man sofort. Die Strecke nahm nämlich gut an Profil zu - es ging stets auf und ab und die Publikum-Reihen werden immer dichter. Immer mehr verfallen in einem Gehschritt und es wird immer schwieriger sich durch die Massen zu kämpfen. Einen gleichmäßigen Tritt hat man hier nicht wirklich mehr laufen können. Immer musste man ausweichen und abstoppen. Das war ziemlich nervig und schwierig. Ich sagte noch zu Roland, dass man bis hier her einen traumhaften Lauf hatte, gefeiert hat was das Zeug hält, keinen Absturz hatte und nun die Mitläufer es schaffen, das man sich kaputt läuft. Das Laufen hier, ging ziemlich auf die Beine. Die Strecke hier durch den Central Park und der ungleichmäßige Laufschritt machten die Beine schneller müde, als einem Recht war.  Die Zuschauerreihen sind kaum noch überschaubar, aber der Krach sagte alles :-) Zwischendurch blickte ich immer wieder auf die Uhr, bis hierher liefen wir fast den kompletten Lauf locker auf die sub 4:30 Stunden, doch so langsam wurde auch meine Puste sehr dünn. Jetzt hieß es nur noch Stimmung genießen, nicht mehr jubeln und abklatschen, sondern die letzte Kraft in die letzten Anstiege stecken. Wir passieren langsam den Streckenabschnitt, den wir am Trainingslauf bereits kennen gelernt haben. Hier geht es richtig gut hoch und das spüre ich nun deutlich. Es kostet mir viel Kraft ( wie bei Brücke drei ), aber trotzdem erhöhen wir unbewusst das Tempo. Drei von vier Meilen laufen wir unter 10:00 Minuten. Den letzten sogar in 9:32 Minuten. Das Publikum peitscht einem hier so vorwärts, die Euphorie schlägt Purzelbäume, die Augen füllen sich mit Tränen - da konzentriert man sich nicht wirklich mehr auf die Geschwindigkeit. Irgendwie läuft man einfach nur noch weiter. Als ich dann den großen Banner vom Zieleinlauf vor Augen hatte, waren die letzten schwierigen Meilen aber auch direkt vergessen. Mit Gänsehaut und tränenüberfüllten Augen liefen Roland & ich Hand in Hand über die Ziellinie :-) Die Zielzeit lag bei 4:26:32. Ein wahnsinniges Glücksgefühl mit unglaublich viel Stolz - das hier live erlebt zu haben, stieg in mir hoch. Ich kann es immer wieder nur sagen " Dieser Lauf ist der absolute Wahnsinn " - ein absolutes MUSS für jeden Marathoni! Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, er sei einen Marathon gelaufen und hat mindestens 40 KM lang Gänsehaut gehabt, den hätte ich für balla-balla erklärt. Heute bin ich es, die das sagt: " Ich bin ungelogen fast den ganzen Lauf mit Gänsehaut unterwegs gewesen"!


Direkt nach dem Zieleinlauf bekamen wir auch schnell unsere Warmhaltefolie und unsere Medaille. Stolz nahm ich diese entgegen und schnell war sie um meinen Hals :-) An diesem Stück kleben viele wunderbare Erinnerungen. Kurz danach wurde es gerappelt voll. Jetzt hieß es Stau - aber das war egal. Mich konnte nach diesem Lauf nichts aus der Bahn werfen, so dass mich irgendetwas ärgert. Nachdem wir unsere Zielverpflegung hatten, machten wir noch ein wenig Pause, bevor es im Entenmarsch zur Kleiderbeutelausgabe ging. Diese zog sich am gesamten Zielkanal entlang, denn für die Kleiderbeutelausgabe standen 60 UPS LKW`s bereit. Da Roland so eine niedrige Startnummer hatte, durften wir diesem Entenmarsch bis zum letzten LKW genießen :-) Dort schnell in trockene Kleider geschlüpft, im Schal gewickelt und Mütze auf die Rübe. Trotz Folie wurde einem doch wieder bewusst, dass es gar nicht so warm war, wie man es unterwegs empfunden hat :-) Hier im Zielkanal standen unzählige Helfer, welche alle super drauf waren und welche alle gratuliert haben. Man wird hier mit so viel Freude und Stolz empfangen, ständig hört man " good Job & congratulation! Selbst auf dem Weg zum Hotel, wurde man von fast jedem, der einem entgegen kam, so empfangen. Ich weiß nicht, wie oft man das " good Job " und das " congratulation " hier hörte :-) Das ist einfach klasse. Hier wird einem wieder richtig bewusst, dass es etwas ganz besonderes ist, einen Marathon zu finishen!


Fazit:


Man sagt, es ist ein anspruchsvoller Marathon, der im Vergleich zu den großen Marathons in Deutschland wie Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln im Elitefeld rund zwei Minuten und von Freizeitläufern ca. 5 bis 10 Minuten langsamer gelaufen wird. Meine persönliche Meinung ist, dass man gut auch mehr Zeit auf seine PB rechnen sollte, um hier wirklich jede Meile genießen zu können. Bestzeiten laufen kann man auch woanders :-)  Wer sich hier auf der ersten Meile durch ein zu hohes Tempo abschießt und sich durch diesen Marathon quält bzw. vielleicht sogar ganz aussteigen muss, verpasst etwas Einmaliges! Jede Meile habe ich noch heute wie ein Film vor Augen und die Zuschauer liegen mir immer noch in den Ohren. Dieser Tag bleibt garantiert für immer, in meinem sonst so vergesslichen Kopf!

Hiermit möchte ich mich noch einmal an marathon4you und an interAir bedanken. Ohne euch hätten wir solch ein Erlebnis wahrscheinlich unser Leben lang - nur weitergeträumt :-) Auch ein ganz DICKES LOB an interAir. Euer gesamtes Team war einfach absolut KLASSE! Ihr habt große Arbeit geleistet und hattet alles super im Griff. Ohne jetzt große Werbung zu betreiben - aber wer so eine Laufreise über einen Reiseveranstalter plant, sollte sich für interAir entscheiden. Nochmals VIELEN DANK für diese unglaublich tolle Reise!!!!

 

 

 

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