Auf zum größten Marathon der Welt !

Marathontag !! Auf diesem Moment haben wir 10 Monate gewartet. Auch wenn man durch das Fernsehen und den Übertragungen von Eurosport einiges wußte, das richtige Ausmaß dieses Marathons konnte man sich nicht vorstellen. Die ganze Logistik, die über 47.000 Teilnehmer - und all das Ganze muss passen bis 7 Uhr. Dann wird die Verazzano-Bridge gesperrt und wer bis dahin nicht im Startbereich war, der hat Pech gehabt.

Einen Wecker brauchten wir gar nicht stellen. Irgendwann rüttelte einen die Aufregung wach. Für die 3 Stunden Wartezeit vor dem Start, hatten wir uns in Deutschland bei einem Discounter 2 Isomatten besorgt, von Heike bekamen wir alte dicke Pullover, und alte Baumwollmützen durften auch nicht fehlen.
Als wir an der Rezeption vorbeikamen, war schon volles Treiben in unseren Hotel. Zum einem, waren alle Essenstische gefüllt, zum anderen teilte man uns mit: "Der erste Bus steht schon Abfahrbereit!".
Das es heute in unserem Hotel Frühstück gab, damit hatten wir in keinster Weise gerechnet, schon Recht nicht um 5:15 Uhr ! Ein toller Service!
Mit dem ersten Bus wollten wir nicht unbedingt fahrten. Früher los - noch länger warten. Schon recht, wenn man nach draußen blickte: Es regnete ! Die Vorstellung an dem gestrigen Regen am Abend und der jetzigen Wartezeit vor dem Start damit verbunden, nein, daran glauben wollten wir nicht. "Das wird sich schon geben!" meinte ich.
Ein paar Scheiben Weißbrot mit Marmelade und auch wir waren bereit. Also ab in den Bus. InterAir zählte wieder alles durch, damit auch keiner fehlte. Organisatorisch haben die es echt drauf - da passt einfach alles.
An allen Ecken der Stadt starteten nunmehr Busse. Es ging an den Süd-Zipfel von Manhattan in Richtung Verazzano-Brücke. Hier wird es direkt schon zum Stadt einen knackigen Anstieg geben, vor dem uns auch Herbert Steffny schon warnte. 
Je näher wir in Richtung Brücke kamen umso mehr ließ der Regen nach.  Die Polizei stand schon an jeder Ecke parat und über Leuchtschilder wurde darauf hingewiesen, dass ab 7 Uhr die Brücke gesperrt wurde.
Wir kamen relativ gut durch und waren gegen 6:35 Uhr auf der Brücke. Hier standen schon etliche Busse und warteten auf die Durchfahrt. Unser Busfahrer nahm die Alternative und bog einfach an allen anderen vorbei bis kurz nach vorne. Frech kommt weiter! Aber uns solls recht sein.
Kaum aus den Bus zogen wir erstmal unsere Plastikhüllen über, die wir InterAir bekommen hatten. Alles war hier schon in Partystimmung - unvorstellbar. Wir wurden von Helfern freundlich begrüßt, ja sogar jetzt schon gefeiert. Feiernd und tanzend, Angelika gesellte sich in eine Gruppe farbiger Helferinnen und jubelte mit.

So muss Marathon sein ! Ein paar Meter weiter, holte uns dann wieder die amerikanische Realität ein. 
Vor dem Eingang erneut Sicherheitskontrollen. Unsere, schon kleinen Beutel, wurden erneut kontrolliert. Wer in den nächsten Jahren dort einmal starten wird, bedenkt - viel Sachen zum Umziehen passen dort nicht rein. Aber so was wie Duschzeug brauch man so oder so nicht mitnehmen, im Ziel wird nicht geduscht. Ich könnte es mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, wie man diese Menschenmassen mit Zielverpflegung, sanitäre Einrichtungen noch mit Duschen versorgen solle und das im Central-Park.
Gestartet wird aus 3 Bereichen. Der blaue Bereich für die ein wenig flotteren Läufer, der grüne für die Masse und der orangene für die Neulinge und Unerfahrenden. Hinzu kommt ein Wellenstart. Das heißt, jeder Block wird noch einmal in 3 verschiedene Startzeiten unterteilt.
Ich war für den blauen Block eingeteilt: Startzeit 9:40 Uhr. Angelika für den grünen: Startzeit 10:00 Uhr. Da wir gemeinsam laufen werden und uns gesagt wurde, dass dies kein Problem ist, gehen wir in den grünen Block. Der Papieraufkleber an meinem Kleiderbeutel ist bereits sehr nass, die aufgedruckte Startnummer reißt schon leicht ein und ich denke mir: "Der hält nicht durch! ! Den gebe ich am besten sofort auf.

Als wir an den UPS-Wagen vorbeikommen, welche nach Startnummern sortiert, alle Kleiderbeutel eingegen nehmen, stelle ich fest - den Weg habe ich mir erstmal für lau gemacht.
Natürlich ist im grünen Bereich nicht meine Startnummer dabei. Ich verabschiede mich von Jens und wünsche ihm viel Glück, Angelika lässt sich erstmal mit ihrer Isomatte an einem Zaun nieder. An jeder Ecke baut sich jeder seine Bude *grins*.
Jetzt heißt es den blauen Block finden. Den ganze Weg zurück, durch Menschenmassen ohne Ende. Nach ca. 1,5 km entfernt vom grünen Block erreiche ich den blauen Bereich. Der Ausmaß dieser Veranstaltung wird einen immer mehr deutlich. Auch hier wird kontrolliert, damit jeder nur in seinem Block hereinkommt. Im blauen Bereich sind ebenfalls erst Zelte und Aufenthaltsplätze, danach der Bereich der Frühstücksversorgung und dann die Kleiderbeutelaufgabe. Endlich ist das Teil weg, hoffentlich kommt es auch im Central Park an, denn hier sind auch unsere Zimmerkarten drin. Ich versuche aus dem riesigen Block herauszukommen. Da mittlerweile alles mit Zäune abgesperrt ist und jeder nur mit Kontrolle rein und rauskommt, verlaufe ich mich natürlich zuerst. Ich frage jemanden vom Sicherheitsdienst, wie ich zum grünen Block komme. Ich bin mittlerweile so weit davon entfernt, er kann es mir nicht ganz genau sagen. Ein weitere Helferin weißt mich darauf hin: Ganz herum, an etlichen Zäunen wieder vorbei.

Irgendwann bin ich dann wieder auf dem richtigen Pfad. Angelika sitzt auf ihrer Matte und schaut sich das bunte Treiben an. Was hier abgeht, dass kann man sich nicht vorstellen. Durch Lautsprecherdurchsagen in mehreren Sprachen wird daraufhingewiesen, wo und wie man was zu tun hat.
Im Rücken von uns liegt die Brücke, ein toller Anblick und voller Respekt denken wir: Die ist knackig, bloß nicht zu schnell  da hoch.
Angelika gibt ihrem Beutel auf und geht erstmal frühstücken. Neben Baggels, Kaffee, Tea, Gatorade, gibts auch verschiedene Riegel von Powerbar.
Anschließend versorge ich mich erstmal mit ein paar Leckereien. Trotz der wirklich vielen Dixi-Toiletten, die Schlangen davor sind sehr lang. Wer von den männlichen Läufern nun denkt: Dann würde ich einfach eben in die Büsche oder dem Baum gehen! der sieht sich getäuscht.  So was gibts hier nicht und ich glaube sogar, da würden nicht nur scharfe Blicke der anderen Läufer oder Sicherheitskräften kommen. Man sieht hier nicht einen irgendwo an der Ecke pinkeln. Ist es vielleicht in manchen Schnell-Restaurants nicht so mit der Hygiene, an Veranstaltungsorten oder in den Straßen von New York ist es überall sauber.

Die Zeit geht wirklich schnell herum! Mein Arm schmerzt heftig, aber ich lasse es mir nicht anmerken. Ich will Angelika damit nicht nervös machen.
Auf den Dächern stehen Polizisten mit Ferngläsern und halten Ausschau! Überall Sicherheitsvorkehrungen.

Um 8:35 Uhr kommt irgendwann die Durchsage: Bitte geben Sie sofort ihre Tasche auf und begeben sich in ihren Startblock! Wie ? Das kann doch nicht sein ! Jetzt schon ? In der Nacht wurde hier in den USA (eine Woche später als bei uns), die Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt. Haben wir die Uhr falsch eingestellt. Ich bin mir auf einmal gar nicht sicher und meine zu Angelika: Komm wir gehen einfach mal in den Startbereich, dort ist auch noch eine Riesen-Wiese.
Erst da angekommen merken wir, dass dies nur für die 1. Welle galt, die zwar erst um 9:40 Uhr startet, aber jetzt schon in den Blöcken soll.
Uns ist es egal! Wir haben zwar uns nun umsonst auf den Weg gemacht, aber sind trotzdem in guter Stimmung. Fotos werden vom Veranstalter gemacht, auf einer großen Bühne spielt eine Blues-Band und wir beginnen an zu tanzen. Prompt steht das amerikanische Fernsehen vor uns und filmt uns ! So schnell kommt man auch hier im Fernsehen *Grins*.
Naja, wir sind nicht die einzigen. Die Berichterstattung im Vorfeld (lokale Sender ?) scheint sehr gut zu sein. Läufer werden interviewt, lustige bemalte und gekleidete Läufer gefilmt und der Auftritt der Band läuft ebenfalls live im Fernsehen.

Der Start der ersten Welle erfolgt und alles jubelt ihnen zu. Wir müssen noch warten bis wir überhaupt in unseren Block dürfen. Lange Schlangen vor den Blöcken - warten und warten. Wir sind relativ vorne - zurück hieße sich wieder ganz hinten anstellen, denn die nächsten Dixis sind im Block! Es ist 9:50 Uhr und wir dürfen in den Block. Alles rennt zunächst noch einmal zu den Dixis. Wer nicht mehr muss, rückt sofort in Richtung Startlinie auf. Trotzdem gehts für uns ganz flott. War die Wartezeit im Block für die Starter der 1. Welle zu lang, war sie für uns schon fast zu kurz. Warmlaufen ? Das gibts hier nicht! Wir rücken auf im Block und dann erscheint auch für uns Frank Sinatras "New York, New York"! Gänsehaut pur und vielen steht die Pippi in den Augen (mich eingeschlossen). Aber tausende von Pullovern fliegen durch die Gegend, es sind solche Massen, man stolpert bald darüber.
Nach einem weiteren Einbiegen auf die Brücke ist auch schon die Startlinie zu sehen. Wenn jetzt jeder denkt: Bei solchen Massen läuft man erstmal total eng und anderen in den Hacken. Fehlanzeige! Die Straße ist so breit, schon vor der Startlinie können wir frei laufen. Einzig allein, die vielen Klamotten, die auf dem Weg liegen sind Stolperfallen.
Irgendwie dachte ich, bei einem gemütlichen Tempo, langsamer als mein Trainingstempo, würde ich vielleicht mein Arm erst später oder kaum spüren. Falsch gedacht! Zum ersten Mal bei einem Marathon habe ich vom ersten Anlaufen an Schmerzen. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Unser Ziel heißt es: Funlauf - unter 5 Stunden sollten es jedoch werden. Mit dieser Zeit würde man sogar in die Ergebnisliste der New York-Times am nächsten Tag erscheinen.
Wir haben von InterAir Armumhänger bekommen für die Zeiten von 4:30 und 4:45 Stunden bekommen. Da die Kilometer nur alle 5 angezeigt werden, sollte man doch gewissermaßen wissen, wie man liegt und das man nicht zu schnell angeht. Denn auch hier hat uns Steffny daraufhingewiesen: Die schwierige Hälfte, ist die zweite. Bei Halbmarathon gibts einen kräftigen Anstieg und auch die letzten Meilen im Central Park sind sehr hügelig.

Die Brücke zieht sich und da wir im unteren Bereich davon laufen, nicht so attraktiv wie von oben. Aber egal ! Man kann nicht alles haben. Neben dem Anstieg stört der starke kalte Wind. Nach der ersten Meile schaue ich noch auf die Uhr. Da ich den Arm aber gar nicht richtig hoch bekomme, war es auch das letzte Mal gewesen, dass ich bei diesem Marathon darauf geschaut habe. Die Brücke zieht sich und als wir diese verlassen haben, beginnt auch schon die Stimmung. Die Straßen sind sehr breit und auf beiden Seiten säumen die Zuschauer die Strecke. Abklatschen, jubeln, tanzen ! Hier sollte man nicht auf Zeit laufen - diesen Lauf muss man mit dem Publikum genießen.  Topzeiten läuft man so oder so woanders einfacher als auf dieser profilierten Strecke.

Wir sind im Vorort Brooklyn. Eine ganz andere Welt als Manhattan. Hier säumen Supermärkte, Wohnhäuser, Einkaufscenter die Straßen. Es geht schnurrgerade aus, mal ein wenig hoch, mal ein wenig runter. Aufpassen muss man an einigen Kanaldeckeln, die ein wenig tiefer liegen und den unebenen Straßenbelag. Trete ich in so einen Straßenloch, ziehts mir voll den Arm. Ich sage zu Angelika: Lass uns einfach so versuchen das Tempo bis Halbmarathon zu laufen und dann schauen wir wie es weiter geht. Irgendwie habe ich Angst, dass ich diesen Marathon nicht zu Ende bringen werde.
Was mich verwundert: Es sind schon einige an den Ecken am dehnen und stretchen! Viele völlig unerfahrene Läufer ! Massen davon! Viele, die diesen Marathon völlig unterschätzen. Hauptsache daran teilgenommen.
Fast jede Meile gibt es etwas zu trinken. Also mit Getränkegürtel hier zu laufen, ist völlig unnötig. Den hätten wir uns sparen können. Schon jetzt liegen ganze Becherlawinen auf den Straßen und wir sind ja im Hauptfeld - wie wird es erst danach aussehen. Die Schuhe kleben bald am Asphalt fest, als man über die tausenden von Bechern mit Gatorade läuft.
Das Publikum reicht ebenfalls außergewöhnliche Dinge: Snickers, Mars und Weingummi.
Alle paar Meter spielt eine Band, rechts - links, man kann sie nicht zählen.
Gänsehautfeeling, schon recht als dann noch eine Band U 2 spielt. Die richtige Musik am richtigen Ort.
Laut Angelika liegen wir vollkommen gleichmäßig in der Zeit, obwohl wir an vielen Getränkestationen gemütlich trinken und mit dem Publikum feiern. So sollte ein Fun-Lauf auch sein.
Nach 5 Meilen liegen wir genau auf Kurs 4:30 Std. ! Wir saugen die Stimmung auf, die Uhr ist nebensächlich.
Angelika ist völlig in ihrem Element und klatscht die Hände von hunderten Leuten und Kindern ab.
Hier in New York wird jeder gefeiert! Im Gegensatz zu manch anderen Marathons, wo die Angehörigen nur ihre Läufer zu jubeln. Etliche originell Transpartente, man kann gar nicht alles so schnell erblicken.
Als bei Meile 8 am Fort Green Park sogar noch "Rocky-Musik" gespielt wird, steht mir sogar die Pippi in den Augen - vor dieser unvorstellbaren Atmosphäre, aber auch vor Schmerzen.
Etliche von Läufern die gehen! Die sich schon jetzt völlig verschätzt haben. So extrem hat man das noch nie gesehen. Für die meisten gilt einfach: Ankommen - egal wie und in welche Zeit.

Bei Meile 13 sollte das Team von InterAir auftauchen um von allen Fotos zu machen, aber bis dahin ist noch ein Stückchen.
Wir kommen in Williamsburg an und man meint, man ist in einer anderen Welt ! Hier leben überwiegend orthodoxe und chassidische Juden!  Die Stimmung ist hier ein wenig verhaltener, vor allen Dingen von den orthodoxen Juden, die einen ein wenig skeptisch anblicken. Auch an einer jüdischen Schule, wo die Mädchen in Uniform auf dem Balkon stehen, ist verhaltener Jubel. Es kommt einen so vor, als ob sie gar nicht so jubeln dürfen. Trotzdem ist die Stimmung immer noch gewaltiger als bei vielen anderen Marathons, die wir bisher kennen.

Wir überqueren den Broadway ! Schon jetzt beginnt der lange Broadway, der sich bis zum Time Square in Manhattan zieht.
"Ist ja nicht mehr weit!" grinsen wir uns an !
Halbmarathon - weiterhin alles gleichmäßig trotz feiern ! Kurs 4:30 Std. !
Wir erblicken die Mädchen von InterAir und jubeln fürs Foto ! Bei Meile 14 in Queens geht es einen richtig langen knackigen Anstieg hoch.  Die Brücke ist von oben zu und man dürfte eigentlich keinen guten Handyempfang haben. Aber seltsamer Weise ziehen genau hier etliche "Gehende" ihr Handy aus der Tasche, als ob sie genau aus diesem Grunde allein nur gehen.
Bloß nicht zeigen, dass diese Brücke anstrengt und man diese hoch "geht". Ist irgendwie witzig und wir lachen über so manchen, der wohl eigentlich nichts bei einem Marathon zu suchen hat, schon Recht da wir ja gerade erst die Hälfte hinter uns haben.
Die Brücke kommt einen endlos lange vor und selbst ich bin am schnaufen. Drei Brücken haben wir nun hinter uns und wir sind zunächst wieder in Manhattan angekommen. Nach der Brücke wieder das gewohnte Bild: Stimmung, Stimmung und Stimmung.
Bei Meile 17 steht erneut ein Team von InterAir und macht Bilder.
Von nun an zeigt sich der Marathon von einer anderen Seite. Wir sind nicht schneller geworden, aber wir laufen nur noch zick-zack, da wir ständig gehende Läufer überholen. Unvorstellbar!

Die 1 Avenue ist sehr breit, viele Transparente auf beiden Seiten und die Endorphine steigen immer mehr. Eigentlich ist es ein gutes Gefühl, viele Läufer in so einem Moment zu überholen. Hier nicht, immer wieder muss man aufpassen auf gehende Läufer nicht aufzulaufen, die vor einem teilweise in 3er oder 4er Reihen auftauchen.  Über 3 Meilen zieht sich die First Avenue und auch wenn mein Arm total schmerzt, mir ist jetzt bewußt ich werde diesen Marathon zu Ende bringen. Es hat bis jetzt geklappt, da wird es auch noch die verbliebenen Meilen funktionieren.
Immer wieder rufen die Zuschauer "You make a good job" - "You make a great job".  Es wird der Satz, der einen auf den restichen Meilen immer von allen Seiten zugeworfen wird.

Angelika versucht immer von mir ein Foto zu machen, aber das Rückwärtslaufen in dier Masse ist gar nicht so einfach *grins*.
Kurz vor Meile 20 geht es erneut eine Brücke hoch, hier werden wir kurz die Bronx anschneiden. Die alten und gammeligen Hochhäuser sehen von weitem wirklich erschreckend aus.  Mitten auf der Brücke, eine Duddelsack-Band, passt in dem Moment nicht wirklich zur Bronx, aber trotzdem witzig.
Die 4. Brücke war geschafft und auch in der Bronx an jeder Ecke eine Band, ob Rockmusik ob Rap ! Feiern was das Zeug hält.
Ich denke mir jetzt so: Booh, so eine Cola wäre jetzt nicht schlecht. Doch im Land der Coca-Cola, gibts weder auf der Strecke noch im Ziel Cola. Dafür stehen Helfer an der Strecke und reichen einen Powergels bis zum Abwinken. Wir nehmen jeweils ein und füllen aber auch unseren Getränkegürtel wieder auf.
Bei Meile 21 geht es die Madison Avenue Bridge hoch, von nun an ist es nicht mehr weit bis zum Central Park.
Gerade noch in der Bronx, ist man jetzt wieder in einer anderen Welt.
Angelika schaut auf ihre Uhr und obwohl wir auf den letzten Meile einige gute Anstiege hatten, sind wir sogar ein wenig schneller geworden.
Rechts von uns aus nun die ersten Ausleger des Central Parks. Jetzt kommen die hügeligen Abschnitte, die einen jetzt schon nicht mehr so einfach fallen, wie zu Beginn.
Wir laufen nicht in meinem Tempo, aber so langsam bin ich auch schon ganz k.o. ! Ein Marathon bleibt ein Marathon, egal welches Tempo - und auch dieses jetzige Tempo strengt mich genauso an, wie meins.
Angelika blickt nach langer Zeit mal wieder auf ihre Tempotabelle: Es wird eine Zeit deutlich unter die 4:30 werden.

Bei Meile 24 stehen nochmal einige von InterAir und nun heißt es wirklich die Stimmung "aufsaugen".  Wir kommen genau an dem Streckenabschnitt vorbei, wo wir vorgestern mit Herbert Steffny gelaufen sind. Wir haben alles richtig gemacht, wir haben uns an seinen Ratschlägen gehalten und auch wenn ich mit Schmerzen zu kämpfen hatte, so ist dieser Lauf genauso so gewesen, wie er sollte. Wir biegen zum Ziel direkt im Central Park ein, die Promi-Bühnen, sind nicht mehr so gefüllt wie am Anfang - trotzdem ist die Stimmung immer noch gewaltig.
Die letzte Meile wird sogar unsere schnellste von Allen und auch auf der zweiten Streckenhälfte waren wir leicht schneller, auch wenn nur um einen halbe Minute.
Ich habe unterwegs  rund 200 Fotos geschossen, jetzt hängt auch mein rechter Arm *grins*grins*
Egal ! Diesen Marathon muss man erlebt haben.
Und schon jetzt denke ich: Nicht New York, mmmh, aber Boston oder Chicago in ein paar Jahren, oder gar zum 50. Geburtstag noch einmal hier ?....... Wer weiß !! Sag niemals nie !

Der Zielauslauf ist sehr eng. Wir bekommen die Medaillen überreicht. Endlich habe ich dieses "Dingen". Darauf habe ich gewartet ! Ich bin ein New-York-Finisher !
Nachdem es Folie, Getränke, Riegel, Äpfel u.a. anderes gegeben hat, bekommen alle noch einen Beutel mit Verpflegung gereicht. Ebenfalls prall gefüllt, ob mit Riegel, Mandeln und anderem.
Aber nicht nur eine Tüte für jeden. Die Helfer fragen nach weiteren, wer mehr möchte - bekommt auch mehr.
Was will man mehr ?

Es ist eng und nach einer kurzen Pause auf dem Asphalt, gehen wir weiter in Richtung Kleiderbeutelausgabe. Einziger kleiner Negativ-Posten. Durch die Menschenmassen haben es die kleinen Sanitätswagen in Form eines Golfwagens sehr schwer durch zu kommen. Da  nutzt auch nichts mit Hupen oder Lautsprecherdurchsagen - wo soll man ausweichen ?
Abwärts gerechnet von Startnummer 69,000 erscheint immer ein UPS-Wagen mit rund 1.000 Startbeuteln. Das hieße rund 60 Fahrzeuge. Da ich die Startnummer 11.xxx habe, also noch eine Ewigkeit entfernt. Es geht in "Mäuschenschritten" voran! Wie wir später erfahren, haben rund 43.000 diesen Marathon gefinisht.

Nachdem wir unsere Kleiderbeutel erhalten haben, verlassen wir den Zielbereich. Außerhalb des Central Parks warten viele tausend von Menschen auf ihre Angehörige. Damit diese sich nicht verlieren, wurden hier Bereiche eingerichtet, nach Startnummern. Man brauch nur zu seinem Nummern-Block gehen und erreicht die wartenden Verwandten und Bekannten.
Auch InterAir hat hier noch einmal einen Treffpunkt eingerichtet und man quasselt mit Steffny und ein paar anderen Läufern.
Ich gönne mir erstmal einen "Hot Dog" und dann geht eine richtiger Triumphmarsch durch die Stadt !
An vielen Ecken wird applaudiert - so etwas gibts bei uns nicht.
Wir kommen auf der Fifth Avenue an und Passanten, die uns mit der Medaille sehen rufen ein: "Congratulations" zu.
Im Hotel angekommen fallen sich auch schon andere Finisher in den Armen und sind von der Stimmung dieses Marathons einfach überwältig.
Heute abend feiern wir durch die Stadt, aber dazu mehr im nächsten Bericht.

 

 

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