Amsterdam Marathon

 

104. Wettkampf

 

Laufzeit 4:05:46

 

Platz ?? von 9360 Teilnehmer

 

Platz ? von ? in AK

 

Frauenwertung: Platz ? von ?



16. Oktober 2011 / Amsterdam Marathon / 42,2 KM


Und noch ein Versuch !!!!!


Mein Plan für den Amsterdam Marathon
hieß, ein weiteres Mal die sub 4 Stunden zu versuchen, obwohl es nach den
Herrmanslauf zuerst nicht danach aussah. Als ich mir beim Hermannslauf die
Verletzung zuzog, glaubte ich nämlich, dass es in diesem Jahr nichts mehr wird
mit Marathon laufen, schon gar nicht mit einem Zeitziel. Doch die
Schultergeschichte ist komplett Vergangenheit *FREU* Das hat mein Physio
wirklich super hinbekommen. 

Mein Training klappte richtig gut. Ich lief genügend 30er, einen 35 und super
Einheiten im Marathontempo, mit einer Pace zwischen 5:30 Min./km und 5:35
Min./km. Das Training lief, selbst mit der Endgeschwindigkeit bei den langen
Läufe, wie von selbst. Bis auf eine kleine Erkältungspause von wenigen Tagen,
brauchte ich mir keine Sorgen mehr zu machen, dass ich mein Ziel nicht angehen
könnte.

Auch die Taperphase verlief endlich mal ruhig und wir wurden von keinen
bösen Geistern überrascht. Selbst Petrus steuerte dazu bei, dass alles perfekt
sein sollte. Es hieß strahlend blauen Himmel und Temperaturen zwischen 12 bis
15 Grad. Und das wichtigste von allem: "Mein Kopf war davon überzeugt,
hier sollte es klappen". Das Training war super - meine Gesundheit war bestens
und das Wetter auch!!

Somit stand es bis zur Abreise fest, ich wollte nicht nur die sub 4 Stunden,
ich wollte mehr. Fest glaubte ich und auch Roland, dass ich nach diesem
Training auf eine 3:55 / 3:56 anlaufen könnte. Mein Plan war es, die ersten 5
Kilometer langsamer zu starten und ab KM 6 das Tempo auf um die 5:35/km zu
erhöhen. Das halten so lange wie möglich, am besten bis ins Ziel :-) Es war ein
realistisches Ziel und innerlich spekulierte ich sogar damit, dass ich mit
Kampfgeist zum Ende hin, evtl. sogar die sub 3:55 drin sein könnte.

Wie wir es aber gewohnt sind, steht nicht immer aller auf unsere Seite. Wir
ziehen das Pechmonster irgendwo immer an uns an. Zu dem ganzen Ärger, welches
wir über das gesamte Marathonwochenende erlebten, hat Roland in seinem Bericht
schon geschrieben. Ich denke, er hat schon genug über dieses Gruselwochenende
berichtet. Ich fasse es in meinen Worten nur so zusammen:

"Die Stadt Amsterdam ist für mich einfach nur total überfüllt, chaotisch,
egoistisch, auf Abzocke, dreckig und laut. Ich brauche nie wieder ein
Wochenendtrip noch den Marathon in dieser Stadt"!

Nachdem wir direkt nach Ankunft in Amsterdam nur von negativen empfangen
wurden, kamen auch schnell Zweifel in meinem Kopf. Diese Zweifel stiegen
stündlich an. Nur 4 Stunden nach Ankunft (am Freitag) hatte ich bereits die
Nase so voll, dass meine komplette Stimmung kippte. Umso länger wir vor
Ort waren, desto mehr Zweifel kamen in mir auf. Nachdem wir unsere erste
schlaflose Nacht hinter uns hatten, war klar - das Vorhaben 3:55 bis 3:56
kannst Dir knicken. Bis zum Renntag hat mich mein Optimismus total verlassen.
Doch der Plan sub 4 Stunden sollte stehen bleiben. Ich wollte das hier und
heute und das sagte ich mir immer wieder.

Mein schwierigster Marathon  !!!!!

Da muss man nach Amsterdam reisen, um einmal mit einem Taxi zum Marathon-Start
gefahren zu werden (mehr dazu, siehe in Roland`s Bericht) ! Als wir nun um kurz
vor 8:00 Uhr endlich vor Ort waren, freute ich mich irgendwie nur noch, dass
ich fast loslaufen konnte. Ich wollte jetzt irgendwie keine Eindrücke mehr
haben, schon gar nicht - irgendwelche negativen. Ich wollte mich jetzt einfach
nur noch auf meinen Lauf konzentrieren. Noch war es ziemlich leer vor Ort, doch
das änderte sich schnell. Die Zeit verflog und schon standen wir in dem Chaos,
um unser Kleiderbeutel aufzugeben. Von dort aus, hieß es nur noch, sich mit der
Masse treiben zu lassen, um in seinem Startblock - in`s Stadion zu gelangen. In
Mäuseschritte kam ich dann endlich irgendwann an. Es wurde ganz genau darauf
geachtet, dass auch jeder in seinem richtigen Startblock eintrifft. Das fand
ich dann endlich einmal gut :-) Mein Startbereich war zwar voll, aber es gab
kein Gedrängel. Hier wurde für genügend Platz gesorgt. Viel Zeit war nicht
mehr. Es reichte gerade mal noch, um die Schuhe zu korrigieren und zu trinken,
als auch schon die Durchsage kam, nur noch 5 Minuten. Mit warm laufen war
nichts mehr. Das spürte man bei den Temperaturen natürlich deutlich. Mir war
nicht nur Mega-kalt auch meine Muskulatur hätte ein paar Minuten warm traben
gebraucht. Das spürte ich deutlich als der Startschuss fiel. Das Feld bewegte
sich zuerst noch gehend, doch direkt ab der Startlinie ging es über in einem
Laufschritt. Schnell fand ich das richtige Tempo, doch meine Beine fühlten sich
nicht gut an. Die waren so verdammt kalt, dass sie sich schon fast taub
anfühlten. Der Auslauf aus der Arena war schön, das Publikum machte Party und
für einen kurzen Moment bekam ich Gänsehaut, aber nicht wegen der Kälte. Aus
dem Stadion raus, wurde es kurz eng. Hier hieß es kurvig und enger, doch es
hielt sich in Grenzen. Dafür, dass das Teilnehmerfeld so riesig war, bin ich in
meinem Bereich erstaunlich gut weg gekommen. Das taube Gefühl in meinen Beinen
hielt über den ersten Kilometer komplett an. Erst ab KM 2 merkte ich, dass sich
die Muskulatur nun ein wenig erwärmt hat und es fühlte sich locker und gut an.
Irgendwo zwischen KM 3 und 4 waren auch meine Hände wieder warm und im hohen
Bogen flogen meine Handschuhe nun auch weg. Ab jetzt hieß es, einfach nur
laufen und sich auf das Tempo konzentrieren. Alles lief perfekt. Ich hatte
genug Platz, das Tempo passte, ich fühlte mich gut....... Die ganzen negativen
Eindrücke waren vergessen und ich war komplett in meinem Lauf. Die ersten 5 KM
lagen mit einer Zeit von 28:37 Minuten / Pace 5:43/km im Schnitt. Cool - so
kann es weiter gehen, dachte ich. Das Tempo kam dann irgendwann von ganz
allein. Es war, als ob meine Beine wussten, worauf sie trainiert haben und was
hier heute für ein Tag anstand. Mit lockeren Beinen fliegen die Kilometer an
mir vorbei und schon sah ich von weitem auch schon die Verpflegungszelte. Ich
kramte mir mein erstes Gel vor und drückte es mir in den Mund. Ein Becher
Wasser hinterher und schon war die 10 Kilometer-Marke passiert. Für die 5 KM
von 5 nach 10 benötigte ich 27:25 Minuten - Pace 5:29. Eigentlich war das nicht
wirklich mehr mein Plan, nach Ankunft in Amsterdam, aber es war mein
Trainingstempo und meine Beine liefen das, wie im Training - von selbst.
Kurzfristig dachte ich dann: "OK , sollte es nach diesem Chaos doch noch
klappen?" "Versuche es einfach, solange es geht - wer nicht wagt, der
nicht gewinnt"! Doch lange hielt das nicht an, denn mit dem Passieren des
Weges entlang der Amstel, wurde ich komplett gebremst. Die Teilnehmerzahl in
diesem Bereich war für diesen Streckenabschnitt einfach viel zu groß. Es war
hier einfach  nur eng und voll. Hier hieß es nicht mehr, sich auf den Lauf
zu konzentrieren. Hier hieß es, sich darauf zu konzentrieren, nicht auf irgendjemand
aufzulaufen, zu stolpern und Slalom laufen. Eigentlich ist es ein schöner
Streckenabschnitt, da man aus der Stadt raus ist und man ein wenig Natur
genießen könnte, doch für mich hieß es Konzentration pur. Ich steckte meist in
so einem Pulk, dass ich keinen Blick weitläufig riskieren konnte. Ich passte
das Tempo ein wenig an das Läuferfeld an, um nicht ständig Slalom zu springen.
Mit einer Pace von 5:40/km für die nächsten 5 Kilometer, lag ich trotzdem auf
Kurs sub 4 Stunden. Von daher machte ich mir keine großen Gedanken um die Pace,
sondern viel mehr konzentrierte ich mich auf meinen Laufschritt. Es war hier
für mich, leider kein schönes laufen. Irgendwann ab KM 16 machte sich ein
unwohles Gefühl in meinem Bauch breit. Hier machte sich dann nun auch bemerkbar,
dass unser Ernährung nicht wirklich komplett auf Wettkampf abgestimmt war. Auch
wenn wir unser gewohntes Frühstück dabei hatten, man kann sich in einem anderen
Land nicht komplette 3 Tage so ernähren, wie zu Hause. Es sei denn, man nimmt
sich eine Ferienwohnung und packt alles ein. Das haben wir nun gelernt! Hotel
und Marathon auf Zeit, wird nie wieder geplant.  Somit kam, was für mich
eigentlich nicht üblich ist, bei einem Wettkampf - ich musste austreten. Ich
verlor dadurch eine komplette Minute und benötigte für diesen 5 KM-Split somit
29:26 Minuten / Pace 5:53. Trotz allem Übel lag ich bei KM 20 - noch ganz knapp
auf Kurs sub 4 Stunden. Ich redete mir immer wieder zu, dass ich das heute
trotz allem will und schaffe. Hier irgendwo nahm ich dann auch wie geplant mein
zweites Gel - wieder mit einem Becher Wasser. Als ich bei der HM-Marke die
Zeitmatte überlief und eine Zeit von über 2 Stunden sah, war klar, es könnte
nur noch klappen, wenn ich das Tempo wieder anziehen könnte. Gedacht - getan.
Es war zwar noch schwieriger, als sich mit dem Läuferfeld treiben zu
lassen, doch ich riskierte es. Es war mir ja klar, gleich ist der
Streckenabschnitt - entlang der Amstel passiert. Es kostete mir Kraft,
aber es klappte. Ich schaffte es, meine Pace wieder auf unter 5:40/km zu
bringen. Zwischen KM 25 und 26 war ich dann endlich weg von der Amstel. Die
Straßen waren wieder breit - breit genug, so dass man endlich wieder frei
laufen konnte. Schnell aber merkte ich, dass die letzten 10 KM gut Kraft
gekostet haben. Ich halte trotzdem die Pace auf knapp unter 5:40/km - immer
wieder mit dem Wunsch, hier zumindest das Minimalziel zu erreichen. Wenn schon
nicht eine Zeit weit unter 4 Stunden, dann zumindest knapp. Egal wie knapp,
aber ich wollte mit einer Zeit 3:...... belohnt werden. Selbst wenn es nur um
eine Sekunde klappt! Ich hielt das Tempo bei, obwohl es doch ziemlich schwer
war. Mir war es mittlerweile egal. Ich lief die 30 KM-Marke entgegen und dachte
immer nur, ich will das heute, riskiere alles. Weiter ging es im Schritt. Immer
noch flogen die Kilometer an mir vorbei. Das baute mich kurzfristig auf, denn
solange die Kilometer fliegen, konnte es nicht zu schwer sein :-) An der
Getränkestation - irgendwo nach 30 - (ich glaube so bei 32) machte ich eine
Gehpause, um mein drittes und letztes Gel zu nehmen. Die Luft war zu dünn, um
dabei weiter zu laufen. Auch die Sonne in diesem strahlend blauen Himmel, hatte
mittlerweile mehr Kraft, als mir lieb war. Mir war warm und es wurde von KM zu
KM immer wärmer, wenn man keine schattigen abschnitte hatte. Hier merkte ich
dann schnell, dass es ist - wie es ist. Ein Marathon beginnt bei KM 30. Meine
Beine glaubten, sie seien fertig. Nur ganz zäh komme ich wieder in einem
Laufschritt. Wie umgewandelt, finden meine Beine das Tempo nicht wieder.
 Es fühlte sich kein bischen mehr rund an. Das Tempo ist mir plötzlich
viel zu schwer, obwohl ich doch schon viel viel langsamer war. Zuerst glaubte
ich, es legt sich noch einmal, wenn ich angelaufen bin, doch Fehlalarm. Es
legte sich nichts mehr. Meine Beine waren plötzlich einfach nur noch schwer,
wählten von selbst ein Tempo und ich pustete, als sei ich mit einer Pace unter
5 Minuten unterwegs. Bei KM 35 war mir klar, heute ist die sub 4 Stunden wieder
weg. Das Tempo wurde immer langsamer. Ich quälte mich von nun an, von Kilometer
zu Kilometer. Nun flogen die KM nicht mehr an mir vorbei. Nein.... nun war 1 KM
so lang, wie vorher 5. Obwohl ich mir an der letzten Verpflegungsstelle sagte,
Du hälst heute nicht mehr an, so zwang mein trockener Mund mich doch dazu, bei
KM 35 oder 36 noch einmal anzuhalten, um etwas zu trinken. Noch schwieriger
trabe ich danach weiter. Als es irgendwann (ich kann mich nicht erinnern wo-
mein Kopf war schon zu) eine Brücke hoch ging, war komplett Ende bei mir. Ich hatte
null Motivation und Kraft, hier laufend hoch zu kommen. Links von mir reihen
sich viele Zuschauer, viele feuern mich an und versuchen mich irgendwie zu
motivieren, doch ich gehe gemütlich dort hoch. Eigentlich motiviert es, wenn
man angefeuert wird, aber ich war so im Eimer, mich nervte nur noch alles. Die
Zuschauer können ja nichts dafür, aber ich dachte mir nur: "leck ....
 ..  ....."! Selbst als es wieder abwärts ging, kostet es mir
sehr viel Kraft, wieder in einem Laufschritt zu kommen. Ich redete mir die
ganze Zeit ein - nicht mehr stehen bleiben, egal mit welcher Pace Du die KM nun
hinter Dich bringst, bleibe nicht noch einmal stehen. Ich setzte mir ein neues
Ziel, welches hieß, zumindest unter 4:05 Stunden zu bleiben. Damit motivierte
ich mich selbst, immer weiter zu laufen, obwohl es einfach nur noch sau schwer
war. Die letzten KM waren einfach nur eine Qual. Ich ärgerte mich über den
Lauf, über die gesamte Reise, über die Zuschauer.... einfach über alles. Ich
weiß nicht wie, aber ich schleppte mich irgendwie über die letzten KM in
Richtung Stadion. Selbst 500 Meter vor dem Stadion, war ich kurz am überlegen,
ob ich nicht einfach ins Ziel gehen soll. Ich wollte und konnte nicht mehr. Ich
war total am Ende. Den Zieleinlauf konnte ich nicht mehr genießen. Ich war so
leer, ich kann nicht einmal sagen, ob das Stadion gut gefüllt war und Party
gemacht hat.  Mit einer Zielzeit von 4;05:46 habe ich dann alle meine
Ziele verpasst und war einfach nur traurig und leer.

Kurz hinterm Ziel kommt mein Schatz auch schon auf mich zu. Er wuste schon
Bescheid. denn er stand vor dem Stadion und rief mir noch zu -aber selbst das
habe ich nicht mitbekommen. Am liebsten hätte ich so losgeweint, aber auch das
ging nicht mehr. Ich wollte einfach nur noch liegen und Pause machen. Die Sonne
war um diese Uhrzeit so lecker warm, dass man sich auch getrost in die Wiese
legen konnte und sich ausruhen konnte. Normalerweise friere ich immer sehr
schnell nach dem Zieleinlauf, doch es war angenehm dort zu liegen. Roland und
ich tauschten uns aus. Leider verlief sein Lauf ähnlich. Das machte einen dann
noch trauriger. Es wäre schön, wenn man sich zumindest über ein Ergebnis hätte
freuen können.

Mein Fazit:

 

Nie wieder Amsterdam, nie wieder Marathon auf Zeit - bei solch
einer Größenordnung, nie wieder Hotelmarathon und die sub 4 Stunden fällt
trotzdem irgendwann!!!!!

 

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