Hannover-Marathon

Wahnsinnsstimmung an der Strecke

Der Hannover-Marathon war eigentlich nicht geplant in der Vorbereitung für den Rennsteig-Ultra. Da ich diesen Startplatz aber über Wobenzym gewonnen hatte, nahm ich ihn jedoch gerne an.

Vom Hannover-Marathon hatte ich eigentlich nie viel gehört, war nie in Erwägung gezogen. Aber ich wurde so positiv überrascht, dass man ihn zukünftig immer in der Planung haben sollte.

Das man hier nicht eine Topzeit reißen würde war klar. Zum einen steckten noch viele lange Einheiten von der Rennsteig-Vorbereitung in den Knochen, noch war alles kurz vorher produktiv.

Am Abend vorher waren wir noch auf einem Geburtstag eingeladen und waren somit erst gegen 23.00 Uhr im Bett. Der Wecker klingelt bereits um 3:45 Uhr, wobei man schon vorher die Augen aufhatte um nicht zu verpennen. Ausgeschlafen fuhr man somit nicht zu diesem Event. Die rund 250 km auf der Autobahn sind auch nicht gerade entspannend vor dem Start.


Gegen 7.00 Uhr erreichten wir den Schützenplatz, der als Parkplatz, mit begrenzten Stellmöglichkeiten, laut Veranstalter empfohlen wird. Nach rund 800 m erreichten wir auch schon das Rathaus und hier schon ein richtiges Event-Dorf aufgestellt. Neben zwei Bühnen, gab es eine kleine Marathon-Messe, viele Fress- und Getränkebuden und sogar ein kleines Dorf, mit vielen Spielmöglichkeiten für die Kinder.


Als ich die Startunterlagen abholte – der erste Schock: Ich hatte den Chip von Angelika an meinen Schuh befestigt und der passte natürlich nicht mit dem gemeldeten überein. Am Help-Desk konnte dann für diese Veranstaltung, der Chip auf mich übertragen werden. Glück auf, dass ich den Chip am Schalter testete, ansonsten wäre Angelika eine persönliche Bestzeit gelaufen.


Auch wenn ideale Läufertemperaturen angesagt waren, wir hatten bei der Hinfahrt gerade mal 2 bis 3 Grad und ich war am schlottern ohne Ende. Ob es die richtige Entscheidung war nur im Singlet zu laufen ? Auch wenn man noch ein Shirt und Jacke zunächst drüber hatte, ich war am frieren! Nachdem man die Handbiker und die Innliner (ein sehr großes Starterfeld) auf die Reise geschickt hatte, ging es auch für die Marathonis los. Angelika stand direkt am Block und konnte noch Shirt und Jacke nehmen bevor der Startschuss fiel. Über 2.000 Marathonis sowie viele Staffeln gingen auf die Strecke.


Ganz ruhig ging ich die ersten Kilometer an – keine Hetze, ich wollte mich auch nicht für den Hermannslauf in der nächsten Woche „abschießen“. Sofort fand ich mein Tempo von 4:58 Min! Man lief einen kleinen Bogen vorbei an der Waterloosäule bevor man am Maschsee entlang lief. Wie ruhig ich lief, merkte man auch, dass ich mir keine Gedanken über verlorene Sekunden machte und bei km 3,5 erstmal in die Büsche ging. Verpflegungspunkt 1 war erreicht und nun ging es u.a. durch eine Schrebergartenanlage. Auch hier immer wieder Anwohner, die einen anfeuerten. Bisher war die Stimmung ganz o.k., es war ja auch schließlich noch früh morgens. Aber von Kilometer zu Kilometer stand immer mehr Publikum an der Strecke – es wurde bombastisch. Eine Trommlergruppe nach der anderen, ja selbst Kinder standen mit Kochtöpfen an der Strecke und machten Krach. Einfach toll.


Bei ca. km 9, der einzige kleine Anstieg auf der Strecke in Richtung Siemens-Schuhcenter und Mediamarkt. Aber es hielt sich in Grenzen, der Rest war einfach flach. Dann kurz vor km 10 der 1. Wechselpunkt der Staffeln und da der einzige negative Punkt der Veranstaltung. Die Staffelläufer warteten auf ihre Ankömmlinge mitten auf der Strecke, so eng, dass man nur hintereinander laufen konnte – es wurde regelrecht zugemacht, so kam ich sogar ins Stolpern als ich auf einen Vordermann auflief. Das geht gar nicht - das kriegen einige Staffelläufer einfach nicht in den Kopf. Ich war an Kilometer 10 angekommen und es passte weiterhin: 4:58 Min. im Schnitt je Kilometer.

Die Stimmung wurde immer besser – das kam an Frankfurt, ja meiner Meinung nach sogar an Hamburg ran. Immer wieder kleine Eventpoints, ob von GOP, ob von Erdinger – und auch hier stand viel Publikum. Bei km 13 erblickte ich Angelika, eine kurze Pause gemacht, ein Küsschen gegeben und ein paar Worte gequasselt. Das war eine schöne Aufmunterung für die nächsten 29 Kilometer, die vor mir lagen.


Die Sonne war mittlerweile herausgekommen und war mir zunächst „arschkalt“ gewesen, war es mir nun sogar zu warm. „Nie zufrieden ist der Kerl“ :-)


Beim nächsten Verpflegungspunkt bei ca. km 15 nahm ich mein 1. Gel und einiges zu trinken.

Es war wie eine große Stadtbesichtigung. Bei km 15 ging es am Opernhaus vorbei, bei km 18 am Zoo und viele Sehenswürdigkeiten, die ich namentlich nicht kannte. Den Splitt mit 4:52 Min./km war ich ein wenig schneller gelaufen, die Luftballons der Pacemaker 3:30 aber immer im Nacken, ohne mich umzublicken, denn oft riefen Zuschauer: Guck mal da die großen Ballons – da kommen die 3:30er ! So wusste ich immer – ich liege gut in der Zeit.

Nun packte einen immer mehr der Ehrgeiz, ich wollte diese auch noch so lange wie möglich hinter mir lassen. War ich zunächst mit einer Zeit unter 3:40 zufrieden gewesen, wollte ich nun die 3:30 knacken.

Die kommenden Wechselpunkte der Staffeln waren besser organisiert, dafür sorgten aber auch die fleißigen Helfer, die manch Übermütigen darauf hinwiesen ein wenig Platz zu machen. Bis zur Halbmarathon-Distanz war alles weiterhin gleichmässig – Kurs 3:30. Nun traf man für kurze auf die Halbmarathonis, die später gestartet sind. Es wurde bei dem riesigen Teilnehmerfeld ein wenig enger, aber es hielt sich im Rahmen. Nach km 24 trennte man sich. Zwischendurch nahm ich das eine oder andere Gel, es klappte prima. Alles schön gleichmäßig. Es war angenehm zu laufen.

Irgendwann traf man wieder auf die Halbmarathonis und so langsam ab km 30 wurde es schwieriger. Wenn man in seinem flotten Tempo läuft und bei dem Kilometerpunkt noch meint, es fällt einen locker leicht – der lügt, oder läuft einfach nicht in seinem Tempo. Die Stimmung ist überall einfach gigantisch. Man wird überall gefeiert! Einfach ein toller Marathon.

Es geht in den Herrenhauser Garten wieder alleine ohne den Halbmarathonis. Die ersten Marathonis legen Gehpausen ein oder werden deutlich langsamer. Ich denke mir immer – in ein paar Wochen läufst Du den Rennsteig, dann muss Du diese Distanz auch schaffen. Ich lasse eigentlich den ganzen Marathon keine Verpflegungsstelle aus und das ist gut so. Ich erhole mich dort immer recht schnell und kann sofort immer das Tempo wieder aufnehmen. Irgendwo im 35er Bereich hab ich zwar mal ein paar Sekunden mehr verloren, aber es hält sich im Rahmen.

Wir nähern uns der Kilometermarke 40 und nun rechne ich hoch – es kann knapp werden mit der 3:29, da muss ich mindestens das Tempo halten, wenn nicht sogar ein Zahn loslegen. Ist einfacher gesagt als getan – nach so vielen Kilometer schneller werden ? Ich bin eigentlich stolz darauf das Tempo einigermaßen zu halten…..

Es geht aber, ein paar Sekunden hole ich sogar raus. Auf der Zielgeraden erblicke ich mein Schatz der mich nochmal anfeuert und das motiviert noch mehr. Die letzten Meter mit Blick auf der Uhr spurte ich los und ich bin sogar locker unter der 3:30 mit 3:29:43 Std.

Der Weg bis zur Zielverpflegung ist ein wenig weiter, aber zwischendurch bekommt man zumindest Wasser gereicht. Und dann gibt’s die wohlverdiente Medaille und in der Zielverpflegung kann jeder Finisher futtern was das Zeug hält, von kleinen Mettwürstchen, Karamellriegel, Plätzchen, Schokobrötchen, Tortillas, Goldfishli, Melone und…und…und…Ich habe sicherlich einiges vergessen.


Danach geht’s wieder einen Extra-Weg hinaus zum Veranstaltungsgelände, bis ich meine Schatz entdecke (oder sie mich) und wir fallen uns in die Arme.


Mann, war das schön !!!


Kleiderbeutel abholen und erstmal die Klamotten wechseln. Aber das ist leichter gesagt als getan, der ganze Körper ist noch am streiken, ein kleiner Krampf in der Seite – ich schaffe es nicht mich hinzusetzen. Angelika muss mir helfen aus den Klamotten rauszukommen und in frischen reinzukommen! Das ist Liebe !!! Wenn das einer gefilmt hätte, dass wäre der Youtube-Schlager der Woche. :-)


Marathonlaufen aber nichtmals sich umziehen können!!

Wir holen uns noch ein paar Teile vom Activa-Stand (Schöne Softshell-Jacke und eine Tasche), gehen über die Marathon-Messe und klönen bei einem Bier und einer Currywurst auf dem Veranstaltungsgelände.

Einer der schönsten Marathons überhaupt, auch wenn im Vorfeld alles ein wenig stressig war. Hannover hat mich voll überrascht.

Nun heißt es so schnell wie möglich regenerieren, damit jetzt nicht der „Hermann“ voll in die Binsen geht.

 

231. Wettkampf Datum Distanz Zeit Geasmtplatz AK-Platz Schuh
 Hannover 19.04.2015 Marathon 3:29:43 Std. 428. von 1.807  59. von 253 Nike Pegasus
Spalte 2
   

 

 

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