Frankfurt Marathon

 

125. Wettkampf

 

Laufzeit 4:09:35

 

Platz 8176 von 15903 Teilnehmer

 

Platz 232 von 407 in AK W40

 

Frauenwertung: Platz 1074 von 2180

 

Wetter: ca. minus 2 bis 0 Grad, sonnig, eisiger Wind


28. Oktober 2012 / Frankfurt Marathon / 42,2 KM


Ein paar Zeilen vorab !


In diesem Jahr war erneut der Plan, die sub 4 Stunden
zu knacken. Nachdem wir in Amsterdam so negative Erfahrungen sammelten,
meldeten wir uns spontan in Frankfurt an. Frankfurt ist in der Regel ideal, um
ein tolles Rennen anzugehen. Meist passt das Wetter – die Strecke ist gut zu
laufen und überhaupt ist es eine tolle Veranstaltung. Zwar riesig, aber selbst
im 4 Stunden Bereich immer alles top. Wir wählten das Hotel, welches wir
bereits kennen und somit sollte - dieses Mal - alles perfekt sein. Nun hatte
man im Kopf - ein tolles Rennen zu planen. Wenn die 4 Stunden Marke fallen
könnte, dann hier – dachte man bei der Anmeldung. Das ganze Jahr über konnte
ich gut KM sammeln. Hatte jeden Monat über 200 KM stehen, was ich bislang noch
nie geschafft habe. Hatte einen tollen Hermannslauf und auch der BGL war ein
toller Erfolg. Somit sollte ich wohl für`s anstehende Marathontraining eine
gute Grundlage stehen haben.  Noch bevor ich ins Training eingestiegen
war, gewann ich eine Startkarte für den Berlin Marathon. Zuerst hin und her
gerissen, ob es gut sei für Frankfurt und mein Plan, nahm ich den Startplatz an
und plante diesen als langen Trainingslauf einzubauen. Somit begann der Plan
für Frankfurt aber auch früher, denn auch wenn Berlin ein Trainingslauf werden
sollte, so muss ja trotzdem eine Grundlage für die Distanz stehen. Ich
steigerte also meine langen Läufe schon vor Trainingsbeginn und lief somit
bereits in der 1. von 12 Trainingswochen bereits 28 KM als langen Lauf.
 Das Training lief super und voll nach Plan, doch leider nur bis Anfang
September. Hier erkrankte unser Kaninchen. Plötzlich stellte er das fressen
ein. Tag und Nacht musste ich ihn mit einer Spritze Zwangsernähren. Ein langer
harter Weg begann und zerstörte hier den kompletten Alltag. Ein regelmäßiges
Training war ab hier nicht mehr möglich. Ich lief viele Wochen nur noch drei
Einheiten, anstatt vier wie gewohnt und auch wirklich speziell mit
Marathontempo u.s.w. lief es nicht wirklich gut. Meist lief ich einfach nur los
und schaute was am Ende stand. Mein Kopf war nie wirklich frei und insgesamt
hatte ich wenig Kraft für ein gescheites gutes Training. Der viele Kummer und
die vielen schlaflosen Nächte, zehrten zu sehr an mir. Das Training durch die
Woche war dann irgendwann Nebensache – wichtig waren für mich die langen
Einheiten. Diese zog ich konstant durch, obwohl mir die meisten sehr schwer
gefallen sind. Den Berlinmarathon sagte ich dann schweren Herzens ab, aber mein
Kaninchen brauchte mich hier und das war mir viel viel wichtiger. War es zu
Beginn der Krankheit noch eine Tumor-OP stellte sich später mehr heraus. Der
Krankheitsverlauf wollte einfach nicht besser werden. Am Ende stand auch
Frankfurt noch auf der Kippe. Bis zum Tag X war der Zustand zwar stabil, doch
mit der Nahrungsaufnahme klappt es immer noch nicht super. Wir schwebten
zwischen einer Absage und suchten nach einem Plan B, denn eigentlich wollten
wir trotz allem dabei sein. Plan B sah am Ende so aus, dass wir nicht einen Tag
vorher anreisen wollten, sondern erst am Marathontag. So konnte ich unser
Häschen noch mit Nahrung und Medikamente versorgen, bis die Reise los ging. Den
Tag deckte dann unsere Tiersitterin ab. Nicht die allerbeste Lösung, denn somit
hieß es 3:45 Uhr aufstehen, aber besser, als alles platzen zu lassen. In diesem
Plan B steckte für mich natürlich auch eine geänderte Zielzeit. Meine
Erwartungen auf eine sub4 Stunden steckte ich in eine andere Schublade. Mehr
als eine 4:10 – 4:15 Stunden traute ich mir nach all diese Wochen nicht mehr
zu. Darauf wollte ich dann auch loslaufen.

 

Wieder einmal verleiten lassen


Brutal früh ging unser Wecker, aber wir fanden
das für die beste Lösung und so sehe ich das auch im Nachhinein noch. So war
unser Häschen bestens versorgt und wir hatten doch ein wenig mehr Ruhe, für so
viele Stunden das Haus zu verlassen. Es war nicht nur brutal früh, als wir das
Haus verließen (4:45 Uhr) – nein es war auch brutal kalt. Die Temperaturen
lagen im Minusbereich. Wir konnten ja aber froh sein, dass der Schnee sich
zurück hielt, denn diesen gab es gestern schon in Frankfurt. Die
Straßenverhältnisse waren unberechenbar, so fuhren wir gemütlich und
vorsichtig. Ein Audi-Fahrer zeigte uns, dass man mit rasen nicht wirklich weit
kam, denn der lag am Straßenrand. Auch im Radio wurden immer wieder Unfälle
gemeldet. Umso glücklicher ist man dann, wenn man dann heil am Ziel ankommt.
Parkmöglichkeiten gab es am Rebstock (11,00 Euro). Von hier wurden Pendelbusse
bis zur Messehalle eingesetzt. Alles klappte super. Parkplatz war sofort
gefunden und auch der Pendelbus stand bereit. Ohne Wartezeit ging es also
direkt durch. Zuerst glaubten wir, wir seien viel zu früh vor Ort, doch die
Zeit war wieder einmal viel zu schnell an einem vorbei. Man täuscht sich doch
immer wieder, wie man mit Startunterlagen abholen – Kleiderbeutel durchforsten
– umziehen – WC – Kleiderbeutel aufgeben u.s.w. vertrödeln kann. Der
Kleiderbeutel hätte auch gut ein wenig größer sein dürfen. Mit Wechselschuhe
und dicker Jacke (welche man bei diesem Wetter haben musste), war er eigentlich
schon voll. Ich ließ mir am Asics-Stand noch ein Paceband für eine Zielzeit
4:05 Stunden machen – für den Fall, dass ich doch schneller als 4:10 bis 4:15
könnte.


Bis wir unser Beutel aufgaben, war die Halle bereits
so gefüllt, dass man eigentlich nur noch raus wollte, doch da war es ja so
bitter kalt *GRINS* Also doch noch ein wenig drin geblieben. Wir gingen erst
hinaus in den Gefrierschrank, dass die Zeit nur noch reichte, um noch einmal
ein Dixi aufzusuchen und sich in den Startblock einzureihen. An warm machen,
brauchte man hier nicht denken, dafür war es zu voll. So hopste ich nur ein
wenig vor und zurück *He-He* Wirklich bis zur letzten Minute ließ ich meine
Wegwerfklamotten und meine Warmhaltefolie angezogen. Und trotzdem schnatterte
ich wie wild. Ich wollte nur noch los.


Der Start findet in drei Wellen statt. Ab 10:00 Uhr,
ging die Reise für Welle 1 los. Hier stand mein Schatz. Klar werden die von
alle anderen auf die Reise geschickt, wenn von 10 runter gezählt wird. Das ist
Gänsehaut-Feeling. Um 10:10 Uhr wurden dann wir auf die Reise geschickt. Ich
war froh – einfach nur froh, denn mir war bitter bitter kalt. Als es losging,
klapperte mein Kiefer so heftig, dass die Zuschauer sicher dachten, ich sei ein
wenig balla-balla *LACH* Bestimmt 500 Meter benötigte ich, bis mein Kiefer
still stand und ich mich auf mein Lauf konzentrieren konnte. Meine
Startaufstellung war genial. Auch wenn es voll war, so konnte ich einfach mit
dem Strom mitlaufen. Kein Gedrängel und keine Überholmanöver – einfach top. So
ruhig starten, in solch einer Masse kennt man gar nicht. KM 1 und ich natürlich
zu schnell! Gerade mal knapp über die Marathonpace für eine sub4 Std. Scheiße –
denke ich – ich muss langsamer machen. Gedacht und nicht getan! Ganz im
Gegenteil. Das Tempo wurde sogar noch einen Tacken schneller. Somit lag ich ab
KM 2 sogar unter der 5:40/km. Bei KM5 liegt die Zeit bei 27:56. Mein Paceband
sagte eigentlich knapp eine Minute mehr. Oh Schitt – was soll ich bloß machen.
Ich will ja langsamer, aber mein Körper rennt das von selbst und das doofe – es
fühlt sich doch so super an. Im Training benötige ich für diese Pace viel mehr
Kraft. Hier lief es einfach perfekt – eben wie von selbst. Nach KM5 bekam ich
ein blödes Gefühl im Bauch und mir war klar, was das hieß. Oh nein – nicht
hier, wir befanden uns nämlich noch mitten in der Stadt. Somit war ich vom
Tempo abgelenkt *LACH* Zwischen KM 6 und 7 erblickte ich plötzlich von weitem
ein Dixi – man war ich froh, denn das wäre wörtlich nach hinten los gegangen.
Wenige Meter vor dem Dixi entdecke ich, dass eine Mitläuferin das Selbe Problem
hatte, denn auch sie scherte schon zeitig aus. Mit einem Endspurt ergatterte
ich mir aber die Möglichkeit als erste. Leider verlor ich hier ein wenig Zeit,
aber das ist eben Pech. Als ich weiter lief, war das Feld ein wenig voller. Ich
dachte mir zuerst – Cool, vielleicht kannst dann ja jetzt langsamer weiter –
doch ich war schneller wieder in meine, als mir Recht war. Erst KM 10 war langsamer,
denn hier ging ich ein paar Meter, um mich an der Versorgungsstelle zu
versorgen. Zuerst schnappte ich mir einen Becher mit Wasser, doch das war so
brutal kalt, das bekam ich gar nicht geschluckt. Also weg damit. Gott sei Dank,
gab es ein paar Tische weiter warmen Tee. Also schnappte ich mir hiervon einen
Becher. Nun war klar, ab jetzt nur noch Tee. Der Rest ging gar nicht – viel zu
kalt. Ich rannte wie ein Tempomat immer eine Pace unter 5:40/km – nur an den
Verpflegungsstellen habe ich immer ein paar Sekunden liegen lassen, denn
Trinken und Laufen klappt bei mir scheinbar nie. Das Tempo irgendwie drosseln
zu müssen, habe ich irgendwann aufgegeben. Irgendwann dachte ich mir nur noch –
renn so lange es klappt so weiter – entweder es geht gut, oder es geht in die
Hose. Frankfurt ist eine schnelle Strecke, wenn man einen Marathon auf Risiko
rennen will, kann man das hier gut nutzen. Also entschied ich irgendwann,
einfach auf Risiko weiter zu machen. Noch nie lief ich so viele KM so
gleichmäßig in diesem Tempo und vor allem nicht so locker. Es fühlte sich an,
als sei es gerade mal knapp unter 6 Minuten. Ich rannte und genoss jeden KM.
Das Feld weiterhin immer noch voll, aber trotzdem war es immer gut zu laufen.
Nur an den Verpflegungsstellen knubbelte es sich immer ein wenig. Da ich aber
nur noch Tee nahm, konnte ich immer seitlich durchlaufen, denn Tee kam immer
zum Schluss und da machten die wenigsten Halt. Ab KM 20 wurden Gels gereicht.
Hier verlor ich etwas mehr Zeit, als an den anderen Verpflegungsstellen. Ich
packte mir direkt ein zweites in die Tasche, so dass ich es beim nächsten Mal
schon vorher einnehmen kann und nur noch etwas trinken muss. Ich weiß nicht
woran das lag, aber ab hier wurde dann auch meine Pace leicht langsamer. Nicht
viel, immer nur ein paar Sekunden. Ich dachte mir – egal, versuche nun
wenigstens die Pace um die 5:40/km zu halten, dann hast eine Traumzeit stehen.
Von KM 23 nach 24 muss man eine Brücke überlaufen. Nicht auffällig steil, aber
steil genug, um richtig viel Kraft zu klauen, wenn man scheinbar schon ein
wenig angeschlagen ist. Ich machte mir keine Gedanken um die Pace – ich wollte
einfach nur irgendwie so locker wie möglich hier hoch. Wo es aufwärts geht –
geht es auch wieder abwärts und da kann man sich in der Regel auch erholen.
Eigentlich. Ich hier und heute aber nicht! Oben angekommen, kam mir brutal
kalter Wind entgegen. Wo kam der nur plötzlich her? Den spürte ich doch die
ersten 25 KM auch nicht. Auch wenn ich die letzten KM an Zeit verloren habe, so
lag ich immer noch auf Kurs sub4 Stunden und nun war ich an einem Punkt, wo ich
sie eigentlich auch haben wollte. Ich war doch nun schon so weit. Schon irre –
man reist hier ohne große Erwartungen her – rennt unverhofft und locker so
viele KM auf eine Zielzeit hin, mit der man selbst nie im Leben gerechnet hat
und nun sollte alles vorbei sein? Nein sollte nicht! Immer wieder hatte ich
Hoffnungen, dass ich mich irgendwo noch einmal erhole und schneller könnte,
doch das war nur Wunschdenken. Die KM wurden immer langsamer und ich konnte
nichts tun. Ob ein zweites Gel – eine Gehpause oder ein Becher Tee – es half
mir alles nichts mehr. Ich war so plötzlich so KO und meine Beine wollten
einfach nicht mehr. Ich kämpfte mich irgendwann nur noch irgendwie von KM zu KM
und ärgerte mich über mich selbst. Irgendwann waren es nicht nur meine Beine –
irgendwann war es mein gesamter Körper. Ich war irgendwann so steif, wie bei
noch keinem Lauf. Ob Arme, Beine, Rücken, Nacken, Kopf – einfach alles.
Irgendwie schaffte ich es aber, mich durchzuboxen und ich war endlich auch die
ersehnte Zielgerade. Mit Blick auf den riesigen Hammermann trabe ich in
Richtung Ziel und war schon hier richtig glücklich, es geschafft zu haben. So
KO ich auch war – ich freute mich schon hier auf den Einlauf in die Messehalle.
Das ist so geil und entschädigt für alles. Als ich meinen ersten Fuß auf diesen
roten Teppich setzte, rollten mir schon die Tränen übers Gesicht. Mit einer
Zielzeit von 4:09:35 habe ich das Ziel zwar in einer Zeit erreicht, die ich mir
persönlich auch zugetraut habe, doch so sollte es nicht aussehen *LACH* Ich war
glücklich – nicht glücklich – KO – überwältigt ---- alles zugleich. Mein Körper
war so verkrampft, dass mir selbst das normale Gehen schwer fiel. Nun kroch ich
irgendwie an dem verabredeten Punkt. Hier traf ich nicht nur meinen Schatz –
nein auch Martin und seine Freunde warteten noch auf mich. Voll cool – LIEBEN
DANK AN EUCH!!! Es war schön – Martin endlich mal persönlich kennen gelernt zu
haben. Sofort ging der Erfahrungsaustausch los, bevor es in die
Verpflegungsmeile ging *GRINS*


Fazit:

 

Auch wenn die Zeit mein 3. Schnellster (von 12)
Marathon ist, so benötigte ich ein wenig Zeit, um mich wirklich richtig darüber
zu freuen. Immer wieder dachte ich mir, wie kann man nur so dumm sein? Wie kann
man nur so unvernünftig einen Marathon rennen? Kann man einen Marathon auf
Risiko rennen? Ein Marathon fühlt sich vorne immer zu locker an und das weiß
ich auch. Mir war eigentlich vorher klar, dass mehr als eine 4:10 – 4:15 nicht
drin sein konnte. Aber hätte, wenn und aber – es ist nun mal dumm gelaufen! Und
am Ende denke ich, es war doch irgendwie gut, es genau so getan zu haben. So
weiß ich, es ging nicht mehr – anders hätte ich gedacht: Was wäre wenn …….

 

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