3. Etappe von Neuenhasslau nach Gelnhausen

In den Ergebnislisten tauchen immer einige auf, die nur einzelne Etappen laufen, deshalb kann man zunächst nicht sehen, wer ganz frisch und locker an einen vorbeidüst. Ein Blick in die Gesamtwertung zeigt jedoch die Realität: Es sind schon einige ausgestiegen und es werden von Etappe zu Etappe mehr. Das gemütliche Liegen auf der Wiese an der Turnhalle in Neuenhasslau geht viel zu schnell vorbei. Von richtiger Erholung eigentlich gar keine Spur. Die Beine fühlen sich schlapp an, auch wenn man öfter die Kompressionssocken drüber zieht. In der vergangenen Nacht haben wir auch mit den Socken gepennt.

Der Start ist heute bereits um 16.30 Uhr! Die Sonne knallt nun richtig heftig. Noch einen Energieriegel gefuttert und kurz das Profil der Strecke studiert, Zeiten ausgerechnet und heißt es wieder: "ich packe meinen Rucksack und packe ein......!". Es ist so langsam wieder Aufbruchstimmung: Die Wagen sind da und nehmen die ersten Utensilien der Läufer entgegen. Christian trinkt noch einen Kaffee und gemeinsam sitzen wir noch kurz zusammen, bevor es los geht. Der Startbereich wurde in einer kleinen Seitenstraße, richtig versteckt aufgebaut. Ungläubig guckt der eine oder andere Anwohner aus dem Fenster, gemäß: "Mensch, bei dem Wetter laufen ?".

Der Start ist in einer Strasse, wo man meint: Hier wohnen nicht unbedingt arme Leute :-) Vanman meint sogar, als sich jemand fotografieren lässt: "Na schnell noch ein Bild mit MEIN HAUS, MEIN AUTO u.s.w.". Ciaron und ich haben uns eine kleine Ecke neben dem Moderationswagen gesucht und dehnen unsere müden Beine an einer Mauer im Schatten. Wir laufen uns ein wenig ein und ich fühle mich eigentlich, wie unter einen Traktor hergezogen. Ich soll jetzt nochmal rund 17 km laufen ? Unvorstellbar... Es zwickt an jeder Ecke. Diesmal habe ich mir ein Powergel eingesteckt und hatte es ursprünglich vor direkt zum Start zu nehmen - aber leider habe ich keine Wegwerfpulle dabei. Somit entscheide ich mich dazu, das Gel nach der ersten Versorgungsstation zu "futtern".

 

Landschaftlich die schönste Etappe

Ich stelle mich wieder in der 4. oder 5. Reihe auf, bei den Läufern, die ich schon aus den vorherigen beiden Etappen kenne. Ich denke: Halte Dich einfach an den einen oder anderen, dann wird`s schon klappen. Allgemein schaut man bei diesem Event viel weniger auf die Uhr, zu unterschiedlich sind die Streckenprofile, das der eine oder andere Kilometer irgendwie aussagekräftig ist. Vielmehr kommts auf die Gesamtzeit an. Der Startschuss fällt und es ist einfach von Anfang an schwer. Zunächst aus Neuenhasslau über asphaltierte Straßen heraus, geht es anschließend über einige unangenehme Schotterwege, sowie schmale Waldwege (siehe Foto). Wie eine lange Raupe zieht sich das Teilnehmerfeld. Ist es bei anderen Wettkämpfen so, das in so einer Situation der eine oder andere überholt - ist dies hier nicht der Fall. Gleichmäßig reiht sich jeder ein und läuft brav hinter seinen Vordermann. Kein unüberlegtes Überholen! Jeder weiß, nicht die Zeit zählt - ob man nun ein paar Sekunden verliert oder nicht. Entschieden wird diese Etappe nach den Anstiegen und ganz anderen Streckenpunkten.

 

"Diesmal bin ich vor ihr...."

Auf dieser Etappe ist man oft ganz der Sonne ausgesetzt. Es geht wieder auf asphaltierten Strassen. Das Feld zieht sich links durch einen Häusereingang: "Ist das der Nebeneingang eines Hauses oder Discountern ? :-) Direkt dahinter taucht die erste Verpflegungsstation auf. Brav nehme ich mein Gel. Nicht wie bei anderen Wettkämpfen, wo ich es mehr oder weniger mit Absicht vergesse. Hier habe ich richtig Respekt vor dem was mich noch erwartet. Es wird mir mit Sicherheit gut tun. Nach Kilometer 5 kommen die Anstiege und die sind teilweise nicht ohne. Ich habe mir vorgenommen, steilere Anstiege hoch zu gehen. Vielleicht denken jetzt einige "gute Läufer" - ist doch voll Blamage, würde ich nie machen! Ich habe damit beim Hermannslauf gute Erfahrungen gemacht - alle die mich überholt hatten, habe ich nach den Bergen wieder einkassiert. Ich gehe somit den einen oder anderen steileren Anstieg, trabe zwischendurch wo es nicht so steil ist. Klappt gut ! Ich verliere einige Läufer um mich herum. Umso komischer gucken diese, dass ich nur kurze Zeit später wieder neben ihnen bin. Bis zirka km 9,5 ziehen sich die Anstiege bis zum Rauenberg. Es haben sich kleine Läufergrüppchen gebildet, manchmal 2 - manchmal 3. Immer wieder schließe ich nach den Hügeln zu ihnen auf und setze mich nunmehr sogar vor allen. Ein absolut geiler Lauf! Das Gel scheint auch zu wirken. Es ist alles sehr anstrengend, aber es klappt prima. Ich schaue nun auch mal auf die Uhr, Super Kilometerzeiten für das Profil. Die Landschaft ist einfach traumhaft schön - Urlaubsfeeling ! Meine Blasen am linken Fuß pochen zwar heftig, aber die Endorphine sind frei gesetzt. Es geht nun richtig steil bergab. Man kommt richtig in Fahrt. Irgendwann auf einmal, völlig unerwartet, taucht mein Deja-vu auf. Wieder in einen Affenzahn düst an mir vorbei Joanna T. ! Diesmal ziehe ich das Tempo mit! Ich rase den Berg herunter, hefte mich an ihr. Gleichzeitig taucht eine weitere Läuferin (die spätere Frauen-Gesamtsiegerin). Hin und Her geht es zunächst, einmal ist der vorne, einmal der andere. Ich laufe wie im Rausch. Die Blasen, die müden Knochen sind vergessen. Eigentlich bin ich doch schon k.o. ? Es geht aber immer noch. Wir nähern uns Gelnhausen, oder besser gesagt den südlichen Teil davon. Meine Oberschenkel merke ich nunmehr auch, aber nunmehr ist es nicht mehr weit. Friedericke J. macht ein Wahnsinnstempo und zieht auf und davon. Joanna T. und ich sind ständig auf eine Höhe. Mal ist sie ein paar Meter vorn, mal ich. Man kommt an einen mittelalterlichen Hof vorbei und an einer Bahntrasse. Es ist nun nicht mehr weit, mittlerweile bin ich völlig erschöpft und stocke bei einen klitzekleinen Anstieg. Anstieg ? Das ist nichts - gegenüber dem was gelaufen ist. Ich stocke ab und gehe diese Rampe. Joanna ist sofort wieder vor mir, aber auf den letzten 1.000 m mobilisiere ich alle meine Kräfte und renne wie ein "Doofer". Es geht zum Stadion in Gelnhausen rein, auf eine Tartanbahn. Die einzelnen Läufer werden aufgerufen und mit "Tunnelblick" überquere ich das Ziel. War das ein geiler Lauf ! Das muss ein guter Platz sein. Einen kurzen Moment später ist auch die aktualisierte Ergebnisliste da und ich traue meinen Augen nicht: Platz 49 !! 6 Sekunden vor Joanna T. Jetzt gehen mit mir richtig die Emotionen durch und ich verkrieche mich auf die Tribüne an der Versorgungsstelle und denke an Angelika, die mir jetzt besonders fehlt. Eine Zeit in mir gekehrt, laufe ich anschließend ein wenig auf dem Rasen im Stadion in Socken aus. Ciaron kommt nun auch ins Ziel und ich reiche ihn einen Becher Tee. Ich verdrücke mich aber schnell in die Turnhalle, er soll sich erstmal ein wenig erholen - währenddessen ich unsere Beutel hole. Auf dem Weg zur Halle erinnern sich meine Füße, das da doch was war. Ich ziehe die Socken aus und kriege einen kleinen Schock. Alles voll mit fetten Blasen, eine davon eine Blutblase, die alles toppt.

 

Ich gehe duschen und lege mich entspannt auf meine Isomatte. Ciaron lässt sich massieren, Christian düst schon mit den Bus sein Wagen nachholen. Ich schaue noch einmal auf die Ergebnisliste: Geil ! Durch den heutigen Lauf habe ich mich in der Gesamtwertung auf Platz 50 vorgearbeitet.

Heute haben wir ein wenig getrödelt und als wir die Halle verlassen, sind keine Fahrzeuge mehr zu sehen. Aber ein paar Nachzügler am Strassenrand warten ebenfalls. Es dauert nicht lang und es kommt ein Kombi, der uns erblickt. Wie selbstverständlich packt er uns ein und fährt mit uns nach Neuenhaßlau. Es ist mittlerweile 19.30 Uhr und um 20.00 Uhr soll die Pasta-Party beginnen. Navi angeschlossen und schnell zurück nach Gelnhausen zur Stadthalle. Wir sehen dort schon einige Läufer anmarschieren, meistens in normalen Sachen. Ich kann hier schlecht in kurzer Laufhose und Flip-Flops rein. Gott sei Dank liegt eine Jeans im Kofferraum, die ich mir einfach drüberziehe. Auch meine Strassenschuhe werden einfach über die geschundenen Füsse gequetscht. Ich bin eigentlich nicht empfindlich darin, aber dies war schon sehr grenzwärtig.

 

Die Pasta-Party ist ein weiteres Highlight. Vanman moderiert auch hier, stellt die Organisatoren vor und führt durchs Programm. Ich schlinge mir 2 fette Teller Nudeln rein, mit mehreren Salaten - heute hat man sich es redlich verdient. Ein Bier muss heute auch mal sein. Eine Gruppe mit den Namen "Die Mädels" singen Acapella bis es zur lang erwarteten Tombola geht. Vom "Leucht-Buhda" bis hin zum Akuschrauber und Startplätzen für das nächste Jahr. Viele originelle Preise, insgeheim hoffe ich das ich einen Startplatz fürs nächste Jahr gewinne *grins*. Mein Preis ist ein Schreibset und ein Einkaufsgutschein für Runnerspoint. Auch nicht schlecht. Eine meiner fetten Blasen schießt los und jetzt schmerzt es nur noch. Jetzt will ich einfach nur auf meine Matraze, doch bevor wir verabschiedet werden, erzählt uns Vanman noch ein Märchen :-)

Wir kommen in einen dunkle Turnhalle, der Hauptschalter wurde schon abgedreht. Im Dunklen finde ich nicht meine Oropax, das gibt die nächste schlaflose Nacht......denn heute sägt auch Ciaron die Bretter durch :-)

Noch 36 Kilometer und wir kriegen dieses "verdammte Finisher-Shirt" :-)

 

 

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