BMW Frankfurt-Marathon

Ein Marathon beginnt erst ab km 35...
Der Marathon in Frankfurt stand bis kurz vorher auf der Kippe. Was macht man wenn sein Haustier das Fressen einstellt ? Man lässt es ja nicht verhungern. Also war uns in den Tagen vorher klar - würden wir mit Ungewißheit fahren, fahren wir erst gar nicht und blasen das ganze Vorhaben ab. Unser Zimmer hatten wir bereits vor einem halben Jahr gebucht und dadurch hatten wir ein paar Optionen: Erst gegen Abend fahren, schlafen und loslaufen oder mitten in der Nacht am Marathontag fahren. Der kleine Kerl sorgte dafür, dass wir die letzte Alternative wählten. 

3:45 Uhr Aufstehen ! Alles hatten wir somit am Vortag schon organisiert, sprangen nur noch in unseren Laufsachen und düsten 4:45 Uhr über die Sauerland-Linie in Richtung Frankfurt. Sicherlich nicht die besten Voraussetzungen - aber auf jeden Fall besser als gar nicht zu starten. Ein wenig unwohl war einen schon, so eine Strecke morgens zu fahren ohne zu wissen, wie wir nach dem Frost- und Schneeverhältnissen vom Vortag nach Frankfurt durch kommen werden. Genauso: Wie klappt das mit den Parkplätzen am Rebstock und dem Shuttleservice. Schließlich hieß es nun: Startunterlagen kurz vor Start abholen. Minus 5,5 Grad zeigte die Temperaturanzeige im Auto an und es war an manchen Stellen mächtig glatt. Einen schlauen BMW-Fahrer der uns mit ca. 180 überholte, trafen wir 10 Minuten später wieder. In den Leitplanken! Wie kann man so doof sein und sowas unterschätzen ? 

Gegen 7:15 Uhr waren wir im Messeparkhaus - 11 Euro Parkgebühr - auch nicht ohne! Kann man für so einen Tag, den Leuten dieses nicht kostenlos zur Verfügung stellen ? Egal ! Klamotten raus und ab in den Shuttlebus. Klappte alles prima - alle Nervosität umsonst. Sehr gut organisiert.  Die Temperaturen waren wirklich heftig und so schlugen wir die Zeit, wie alle anderen, in der Messehalle um. Irgendwann mussten wir uns nach draußen begeben. Eisig !! SElbst durch ein weiteres Wegwerfshirt und einer Jacke fror man sich einen ab. 25 Minuten vor dem Start war mein Startblock schon sehr voll und so verabschiedete ich mich von Angelika. Einlaufen war schon nicht mehr möglich - alles viel zu eng. In diesem Jahr 16.000 Teilnehmer, das führte - zu mindest in unseren Startblock zu einiger Enge. Ziel für mich soll es sein - zwischen 3:15 bis 3:19 zu laufen. Auf jeden Fall soll die 1 nach der 3 stehen und somit schneller als Amsterdam im letzten Jahr.

So eng hatte ich es selbst beim Berlin-Marathon nicht gehabt. Ich konnte nur unter Anstrengung irgendwie die Wegwerf-Klamotten vom Körper ziehen. Naja - zumindest war es so ein wenig wärmer. Gruppen-Kuscheln mit ein paar tausend Läufer. Pünktlich geht es für mich um 10.00 Uhr mit der 1. Welle los, die 2. Welle (mit Angelika) startet um 10.10 Uhr, die 3. Welle um 10.20 Uhr. Dies soll das Teilnehmerfeld ein wenig entzerren, doch in meinem Bereich ist es sehr lange einfach eng. Wird die Strecke ein wenig schmaler staut es teilweise, man muss abbremsen. Der erste Kilometer passt genau mit 4:34 Min.! Man muss jedoch höllisch aufpassen nicht zu stürzen. Ein paar Schritte vor mir, passiert es jemanden und er wird von der Masse fast überrollt. Doch das enge Laufen hält überraschend an. Ich versuche trotzdem meinen eigenen Rhythmus, lasse mich von anderen nicht anstecken, die Slalom rennen wie von der Tarantel gestochen und laufen, als ob sie so wichtige Zeit verlieren. Ich denke genau das Gegenteil - "Ruhig - Du hast 42 Kilometer Zeit". An meiner Laufuhr habe ich die Autolap-Funktion ausgeschaltet, gerade beim Köln-Halbmarathon hatte ich schon erlebt wie ungenau die Polar RCX3 ist. Also lieber jeden Kilometer am Schild drücken.  Ab Kilometer 2 laufe ich präzise wie ein Schweizer Uhrwerk - 4:23, 4:24, 4:23 u.s.w. ! So genau bin ich noch nie gelaufen. Zu schnell, doch ich fühle mich locker an, als ob dies nichts wäre.  Was solls, denke ich mir - Dein Zeitziel ist so groß, versuche was geht. Die ersten Kilometer meint man, man läuft im Kreis, zickzack hin und her, durch die City. Der Untergrund ist manchmal nicht schön, öfter auch mal Kopfsteinpflaster. Haben die, die Strecke geändert ? Mir war dieser Kurs gar nicht so von 2008 in Erinnerung. Irgendwann kommt man wieder am Ausgangspunkt aus. Jochen Heringhaus, den wir vom Brüder Grimmlauf kennen, steht als Moderator auf dem Runnerspoint Fahrzeug, wir grüßen uns !! Zwischendurch immer mal ein paar windige Abschnitte, aber bisher hält es sich im Rahmen. 

Die Stimmung fand ich in den vorherigen Jahren besser, scheinbar war es vielen Leuten viel zu kalt an der Strecke zu stehen. Kilometer 5 in 22:07 Min.! Laufe einfach locker weiter denke ich mir, nur nicht zu sehr überanstrengen. Weiterhin schön gleichmässig. Das Feld hat sich nun mehr auseinander gezogen, aber trotzdem hat man immer ganze Läuferscharen um einen herum. Ich denke mir: Ist doch prima - so ist man mehr windgeschützt. Früh oder später wird sich das sicher ändern. Kilometer 10 sind wir noch immer in der Innenstadt. Der nächste Splitt in 22:11 Min.! Kann man genauer laufen ? Es geht nun über die Mainbrücke und nun ist der frische Wind schon quälender. Ab Sachsenhausen sind öfter lange Geraden zu laufen. An den ersten Getränkestationen hatte ich mir zunächst den einen oder anderen Becher gegönnt. Zunächst Wasser, aber das war extrem kalt - nachher Tee. Trotz dieser Anhaltepunkte ist das Tempo gleichmäßig. Vor Kilometer 15 genehmige mir mein erstes Gel, trinke ausgiebig und bin trotzdem im Splitt 22:28 Min.! 

Ich rechne hoch - ich bin auf Kurs 3:09 ! Da ich mich hervorragend fühle, beginnt man zu träumen: Ist heute Bestzeit drin ? Knacke ich die 3:15, oder wirds sogar noch schneller. Wir nähern uns Kilometer 20, immer mehr windige Abschnitte, den Streckenpunkt hier mochte ich noch nie. An der Verpflegungsstation nehme ich mir eins der gereichten Gels. Anstatt das Gel offen zu reißen, laufe ich mit dem in der Hand und nehme mir einen Becher Tee. Dussel !!! Ich bleib stehen und stelle den Becher ab um es aufzureißen. Überraschend sieht man nun schon den einen oder anderen, der Probleme hat und Gehpausen einlegt. Kilometer 20: 22:32 Min! Trotz regelmässigen Pausen an allen Verpflegungsstellen bin ich präzise und laufe weiter auf eine 3:09:xx!. Irgendwie wird man von der Euphorie getragen. Nun kommt ein Anstieg. Es geht über die Schwanheimer Brücke. Ich komme gut drüber, aber hier kommt der Wind einen kräftig entgegen. Geschützt laufen geht auch nicht mehr. Die Handschuhe habe ich mittlerweile weggesteckt und das Tuch, was ich am Kopf trug, weggeschmissen. Trotz des Anstiegs und des nun fortlaufenden Windes der Splitt bei 22:48 - Kurs immer noch 3:09 - 3:10 ! Und nun kommt der absolute Kopffehler: Anstatt so weiter zu laufen, rechne ich was ich brauche um eine 3:15 bis 3:17 zu laufen. Das Tempo wird langsamer und ich denke, ich habe ja genügend Puffer. Bei Kilometer 27 gehts nun auch noch einen kleinen Anstieg hoch. Dann kommt meine "Kopfstelle km 28" - prompt ist der Splitt mit 23:17 Min. bei Km 30 langsamer. Und nun rechne ich was ich noch verlieren darf! Absoluter Humbug ! Es wird alles schwerer und meine linke Wade fängt an zu mucken. Da deutet sich der erste Wadenkrampf an. Auch die rechte Wade zuckt. Erhöhe ich das Tempo habe ich einen leichten Krampf und muss kurz stehenbleiben. 

An den Verpflegungsstellen nehme ich nunmehr regelmässig ein Gel. Toll das es so viele gibt, eine Wirkung merke ich aber nicht. Mittlerweile habe ich auch schon so viele geschluckt, dass ich denke - noch ein paar, dann gehts wirklich nach hinten los.

Die Mainzer Landstraße zieht sich wie Kaugummi. Meine Muskelatur spielt doof und ich denke weiter was ich noch verlieren darf. Warum trabe ich nicht einfach weiter, sondern versuche immer das Tempo anzuziehen, obwohl mich das immer zum abstoppen zwingt. Wir laufen erneut durch die City und wieder teilweise wieder über Kopfsteinpflaster. Die Waden mögen das nicht ! Kilometer 40 - der Splitt ist eine absolute Katastrophe - alles versaut auf ein paar Kilometern: 25:40 Min.! Doch nun packt mich doch noch einmal der Ehrgeiz und ich mache das, was ich eigentlich die letzten Kilometer hätte machen sollen: Locker laufen ohne Tempoerhöhung. Die Waden sind zufrieden damit. Der Kilometer ist bei 4:47 einigermaßen passabel. Von weitem sieht man den Startbogen, jetzt ist nicht mehr weit, da biegt man links in die Festhalle. Von wegen - falsch gedacht. Man läuft durch den Startbogen noch durch und es ist noch ein Stückchen bis zur Abbiegung. 

Endlich gehts in die Festhalle! Die persönliche Bestzeit aus 2009 ist geknackt, ich freue mich reiße die Arme hoch - und denke mir gleichzeitg: Da ging aber trotzdem einiges schief. Ein Marathon beginnt - das weiß jeder Marathoni erst ab km 35. Das war heute leider auch der Fall.
Man sagt, ein Marathon wird im Kopf entschieden und das traf heute zu. Auch wenn ich muskeläre Probleme hatte und mir der Ostwind gut zusetzte, so muss ich sagen, dass das mentale im Kopf vielleicht ausschlagebend war. Ich habe mich viel zu schnell von der 3:10 verabschiedet, anstatt drum zu kämpfen. Vielleicht fehlt mir aber auch wirklich mal ein "Hase" der mich ab einen gewissen Kilometerstand motiviert und antreibt.

Die Temperaturen waren eindeutig zu heftig - selbst die vorderen Elite-Läufer kamen mit ihnen nicht zurecht. Der Sieger Patrick Makau meinte ebenfalls, dass er nicht beschleunigen konnte, da die Muskeln nicht reagiert haben. Er kam sich vor wie im Kühlschrank. Schon vom Start weg waren die Tempomacher bei der empfindlichen Kälte nicht auf Kurs. Viele Läufer, die man im Ziel  sprach meinten, dass sie Probleme mit der Kälte hatten, sehr lange brauchten um auf Betriebstemperatur zu kommen und der frische Ostwind ihnen zusetzte.  Laufen.de schrieb auf ihrer Seite vom "Kühlschrank-Marathon"......

Nachdem ich eine Suppe getrunken hatte, mir eine Cola gönnte und mich in der Halle hinsetzen wollte, bekam ich einen Wadenkrampf vom Feinsten. Dank dem Läufer der  neben mir saß, sofort aufsprang und versuchte ihn zu lösen. Die Muskelatur war völlig im argen. 

Im Ziel treffe ich noch Martin, den wir aus dem Internet kennen. Endlich treffen wir uns mal auf einer Veranstaltung und wir quasseln viel. Es ist zwar trotz Folie saukalt, aber irgendwie überbrücken wir die Zeit bis Angelika eintrifft. 

Die Zielverpflegung ist sehr gut - aber war in den letzten Jahren viel besser. Einige Dinge, mit denen wir verwöhnt wurden, gab es leider diesmal nicht.

Aber egal ! Es war trotzdem sehr schön! Dafür das wir vor einigen Tagen diesen Marathon fast abgeschrieben hatten, war`s ein toller Tag. Auch die kurzfristige Anreise klappte sehr gut. Irgendwann - aber das das nun sicher einige Jahre dauern - starten wir bestimmt nochmal hier.

173. Wettkampf Datum Distanz Zeit Gesamtplatz AK-Platz
  28.10.2012 Marathon 3:16:12 Std. 1.946. von 11.964