Hermannslauf

„Versunken im Schlamm“

Wenn man bei einer Veranstaltung zum 5. Mal hintereinander startet, gibt es normalerweise nicht viel neues zu erzählen, die Berichte ähneln sich. Doch nicht beim Hermann, hier hat man schon alles erlebt: Hitzeläufe, Frost und nun Regen mit einer arg ramponierten Strecke.

Rechtzeitig zum Hermannslauf hatte sich der Wettergott Regen einfallen lassen. Wie man aus verschiedenen Foren hörte, sogar ergiebigen Regen am Samstagnachmittag Da man die Strecke kennt, machte man sich Sorgen, wie diese wohl aussehen mag.

Vor dem „Hermann“ habe ich immer aufs Neue viel mehr Respekt als vor jeden Marathon. Durch das unterschiedliche Profil, kann man sich hier schon vorzeitig „abschießen“. Rund 2 km steiles Bergablaufen mit 20 % Gefälle nach dem Start, wenn die Muskeln noch relativ kalt sind, sind nicht Ohne. Hier kann man sich schon früh abschießen, wenn man „runterrast“. Genau diejenigen sieht man an den späteren Anstiegen „hoch gehen“.

Alles prima organisiert waren wir auch frühzeitig vor Ort, trafen noch Conny und Franz und nahmen den Shuttlebus um 8.30 Uhr zum Hermannsdenkmal. Bis jetzt war es trocken und von meinem Ziel – eine 2:27:xx wollte ich auch nicht herunter gehen, trotz erwarteter schlechter Strecke. Das Training war hervorragend, viel Hügeltraining, was sich auch wirklich an diesem Tag gut auszahlte, denn die Anstiege bin ich klasse hochgekommen, nur was danach war.

Unter 2:30 zu laufen, das ist für mich immer ein Highlight, wie bei einen Marathoni der die 4:00 Std. oder 3:00 Std-Marke unterbieten möchte. Wer hier an den Anstiegen eingeht, holt das nicht mehr nach hinten raus ein.

Nachdem sich unser Busfahrer erstaunlicherweise zunächst erstmal verfahren hatte J waren wir gegen 9:20 Uhr am Denkmal. Aber es passte genau – wie sonst auch. Gemütlich vorbereiten, noch zu den Dixis, Kleiderbeutelaufgabe und schon kann man sich in seinen Startblock begeben, wo man frühzeitig sein sollte, denn sonst kommt man schlecht weg. Jetzt werden sicher einige sagen: Ist doch nicht tragisch – ist doch Chipmessung ! Doch wer zu weit hinten steht, kommt bei diesem Teilnehmerfeld und den schmalen Wegen die ersten Kilometer zu schlecht weg und läuft Slalom oder kommt gar nicht durch. Selbst ich habe im 1. Startblock, wenn ich zu weit hinten stehe, Probleme.

So wird auch vor jeden Startblock genau kontrolliert, wer wo reingehört. Aber umso ärgerlicher ist es, wenn irgendwelche sich völlig überschätzen und statt im 3. Startblock, heimlich über das Geländer springen in den 1. Block. Rücksichtslos gegenüber den anderen Läufern, hauptsache nur an sich denken. Gerade wenn man steil bergab läuft und in ganz Langsame fast reinläuft, ist oft ärgerlich.

Kurz nach dem Start begann es dann auch zunächst leicht zu regnen. Ich halte mich auf den ersten Kilometern zurück und lasse es einfach rollen. Nach dem wir unterhalb einmal das Denkmal umrundet haben, geht es auf Asphalt steil bergab. Das geht gut auf die Beine. Anschließend biegt man rechts ab auf den ersten Waldweg. Bis jetzt ist die Strecke erstaunlich gut, aber es hat sich mittlerweile eingeregnet. Zwar nur ein leichter Regen, aber kontinuierlich. Nach dem Trampelpfad, wo man automatisch durch vordere Läufer gebremst wird, kommt man zum ersten wirklichen Anstieg – dem Ehberg. Auch hier läuft alles prima. Wir nähern uns der Panzerbrücke und ich bin erstaunt was für eine tolle Stimmung auf diesen fast 1,5 km langen Streckenabschnitt herrscht. Trotz des miesen Wetters stehen die Leute Spalier und feuern die Läufer anerkennend an. Die Panzerbrücke ist immer wieder ein Highlight. Zum Ende geht es leicht bergauf und hier ist eine Getränkestation wo ich mein Gel nehme. Man verlässt den Betonboden und läuft rechts einen kleinen Anstieg hoch. Hier ist die Strecke an manchen Stellen schon sehr schlecht und man muss konzentriert laufen. Auch umkurvt man erste größere Pfützen. Bei Kilometer 10 liege ich rund 13 Sekunden über meine Vorgabe, aber die war auch auf 2:27 ausgerichtet. Immer wieder rauf und runter und irgendwann näheren wir uns den Tönsberg. Eine richtige Herausforderung. Hier traben oder gehen die meisten hoch und noch nie bin ich so hervorragend hier hochgekommen. Das Hügeltraining hat sich voll ausgezahlt.

Der Regen wird zwischendurch immer mal heftiger, die Strecke immer schlechter. Ich denke an das steile Bergablaufen auf Kopfsteinpflaster in Richtung Oerlinghausen. Das wird rutschig !! Wie die meisten Läufer wähle ich die rechte Regenrinne und versuche dort zu laufen. Trotzdem verliert man hier einiges an Zeit, weil man immer wieder abbremst um in den Vordermann nicht hinein zu laufen. Die Stimmung in Oerlinghausen – einfach klasse, da kommen viele Marathons nicht mit, die Leute stehen in etlichen Reihen und feuern die Läufer an und das bis zum Ortsende.

Ich habe zwar einiges an Zeit verloren, aber es hält sich in Grenzen. Wir nähern uns meinen mentalen „Hänger-Abschnitt“, dem Schopketal. Hier habe ich meistens Probleme, es geht zunächst bergauf und durch die ersten Strapazen verliere ich hier immer viel Zeit oder habe sogar schon einen Einbruch erlitten. Die ersten paar hundert Meter bekomme ich wirklich erste Probleme, aber nach dem man das Tal durchlaufen hat und es wieder bergauf geht, komme ich besser in Tritt als manch andere, die schon die ersten Gehpausen einlegen. Auch hier – trotz des schlechten Wetters, eine tolle Stimmung an der Strecke. Trotz Anstiege sind die km mit 4:53 und 4:54 Min. erstaunlich flott.

Es geht zu den Lämmershagener Treppen, die letzten Kilometer habe ich nur „überholt“. Auch die ersten Treppen komme ich relativ gut hoch, aber dann durchläuft man nur ein Matschgebiet. Hier ist die Strecke in einen katastrophalen Zustand, hier rutscht man weg, hier kommt man nicht voran. Ich verliere hier mehr an Zeit als an Ehberg und Tönsberg zusammen. Auch danach ist die Strecke größtenteils schlecht. Man springt von rechts nach links. Die ersten Wanderer und Walker, die einige Stunden zuvor gestartet sind, hat man nun auch vor sich. Diese nehmen die rechte Seite ein und man muss zum Überholen immer nach links ausweichen. Doch genau hier sind tiefe Schlaglöcher und gerade beim Abwärtslaufen muss man aufpassen nicht umzuknicken. Immer wieder muss man Tempo rausnehmen.

Zum eisernen Anton komme ich einigermaßen gut hoch, mit meiner Tage zuvor geplanten Zielzeit wird`s zwar nichts, aber vielleicht komme ich so nah wie möglich an die 2:29 ran. Momentan sieht es zwar nicht danach aus, aber ich renne und renne – 4:37 Min, 4:39 Min! Selbst an kleinen Rampen hole ich noch ein wenig Zeit auf. Aber man muss sich auch weiterhin konzentrieren um nicht zu stürzen. Auch der Regen ist wieder heftiger geworden, ich laufe gegen die Zeit. Es geht auf die lange Zielgerade und hier stehen auch Menschenmassen, tolle Atmosphäre ! Von weiten sehe ich die Uhr und ich renne was das Zeug hält, die letzten 340 Meter in einem Schnitt von 4:06 Min.! Im Ziel blicke ich auf die Uhr: Exakt die gleiche Zeit wie im letzten Jahr. Letztes Jahr waren sehr gute Bedingungen, dieses setzte einen der Untergrund zu, für mich ist die jetzige Zeit höher anzurechnen. Aber ist schon ein Kunststück 2 x 2:29:42 Std. auf 31,1 km und solchen Höhenmetern zu erreichen.

Mein bester Lauf bisher in diesem Jahr.

Gute Zielverpflegung mit viel Obst, aber auch kleinen „Knackwürstchen“ J. Ich hole schnell meinen Kleiderbeutel ab und begebe mich zum Zelt mit den Duschen. In strömenden Regen muss man sich draußen ausziehen. Mach das mal mit pitschnassen Klamotten, einen zugeknotenden Kleiderbeutel, den man so nass nicht losbekommt und müden Beinen, wo man die engen CEP-Stulpen stehend nicht ausbekommt. Das war bald schwieriger als der ganze „Hermann“.

Frisch gemacht geht es wieder zum Zielbereich und da muss ich auch nicht so lange warten bis mein Schatz ins Ziel kommt. Sie verpasst zwar knapp die 3 Std.-Marke, verbessert sich aber bei ihrem 4. Hermann zum 4. Mal und diesmal um rund 9 Minuten. Klasse !!

Immer wieder sagt man, nächstes Mal setzt man beim Hermann aus, aber trotzdem reizt einen es doch, nächstes Jahr sich wieder dieses Training und dieser Herausforderung zu stellen.

206. Wettkampf Datum Distanz Zeit Gesamtplatz AK-Platz
  27.04.2014 31,1 km 2:29:42 Std. 491. von 5.813 61. von 718

 

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